„Melde dich, wenn du was brauchst.“ Diesen Satz habe ich nach dem Tod meiner Schwester unzählige Male gehört – von engen Freundinnen genauso wie von völlig fremden Menschen. Und obwohl er liebevoll und ehrlich gemeint war, habe ich mich fast nie gemeldet. Denn Trauernde zu unterstützen bedeutet manchmal etwas anderes, als die Tür zur Hilfe einfach nur offenzuhalten. In meiner Trauer fehlte mir oft die Kraft, selbst durch diese Tür zu gehen.
Ich fühlte mich wie eine Belastung. Ich dachte, ich könne doch nicht verlangen, dass andere meine schweren Gefühle mittragen. Gleichzeitig wusste ich oft selbst nicht, was ich eigentlich brauchte. Trauer versetzt das ganze System in einen Ausnahmezustand. Um Hilfe zu bitten bedeutet dann, Initiative zu zeigen, Bedürfnisse zu erkennen und sich verletzlich zu machen – und genau dafür fehlt häufig die Energie.
Was mir wirklich geholfen hat
Getragen haben mich die Menschen, die nicht darauf gewartet haben, dass ich mich melde. Die einfach gefragt haben: „Soll ich dir etwas vom Einkaufen mitbringen?“ oder „Ich gehe spazieren, möchtest du mitkommen?“ Plötzlich musste ich nur noch Ja oder Nein sagen. Diese konkreten Angebote haben mir eine Last abgenommen, die von außen vielleicht kaum sichtbar war. Eine Freundin schrieb mir sogar über ein Jahr lang jeden Morgen. Diese Verlässlichkeit hat mich durch eine unglaublich schwere Zeit getragen.
Wenn du also einen trauernden Menschen begleiten möchtest, dann bleib da. Nicht nur in den ersten Wochen. Frag wieder nach, mach konkrete Angebote und nimm ein Nein nicht persönlich. Trauernde unterstützen heißt nicht, die richtigen Worte zu finden oder die Trauer wegzumachen. Manchmal bedeutet es einfach, selbst den ersten Schritt zu gehen – immer wieder. Denn genau darin kann etwas unglaublich Wertvolles liegen: das Gefühl, nicht allein tragen zu müssen.
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