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Wenn Väter trauern – Interview mit einem Vater

Haben Väter genauso ein Recht zu trauern, wenn es sich um ein Sternenkind handelt? Wie geht man als Vater damit um? Wie erfahren sie diese Trauer. Was hilft, was auf keinen Fall? Ich habe einen dieser Väter auf Instagram entdeckt und war berührt davon, wie offen er mit seiner Trauer umgeht. Hier ein Interview für dich mit ihm. David, Vater von Ida!

Erzähl mir deine Geschichte: Wer ist Ida?

Ida ist unsere wundervolle Tochter. Ein, für uns, lang ersehntes und absolutes Wunschkind. Ida wurde am 2.Oktober 2019 um 21:43 Uhr still geboren.

Idas Leben war viel zu kurz. Sie starb kurz nach ihrer Geburt. Wie ist es dazu gekommen und wie war es für dich als Sternenpapa diese Situation zu erleben?

Leider hat sich die Nabelschnur um den Hals von Ida gezogen, sodass sie sich dadurch stranguliert hatte.

Für mich als Vater, war es der brutalste (das ist für mich der einzig treffende Ausdruck) Moment, den ich in meinem Leben erfahren musste. Alles was danach noch hinzu kam, konnte ich lange nicht einordnen bzw. verarbeiten, weil ich mich in einem absoluten Schockzustand befand.

Was geschah in Bezug auf deine Trauer die ersten Wochen nach ihrem Tod? Hattest du auch körperliche Symptome?

In den ersten Wochen war es erstmal so unglaublich brutal für mich, meine Frau trauern, weinen und leiden zu sehen. Mir war es vorerst wichtig für meine Frau da zu sein. Dennoch kamen in mir einige Fragen auf, ob auch ich bzw. Männer/Väter in solchen Situationen trauern dürfen. Letztendlich konnte ich dann nur mit Hilfe der Organisation – Verwaisten Eltern und trauernde Geschwister e.V. – für mich die Antwort finden, dass ich das auch darf und soll.

Körperliche Symptome haben sich glücklicherweise nicht gezeigt.

Wie hast du deine Stellung als Sternenpapa innerhalb der Gesellschaft erlebt?

Von Männern wird im Allgemeinen erwartet, dass sie schneller wieder zurück den Alltag finden. Auch ich hatte das Gefühl, „stark“ sein zu müssen und wieder schnell beispielsweise in die Arbeit zurückzukehren. Verstärkt von ausgesprochenen Aussagen mancher Menschen, denen ich anfangs nicht kontern konnte und sehr schmerzhaft waren. Ich habe dann auch die Erfahrung gemacht, dass ich in vielen Situationen, ohne dass es jetzt als klagend oder auch jammernd zu verstehen ist, „vergessen“ oder nicht wahrgenommen wurde. Ich habe es selbstverständlich verstanden, dass meine Frau im Vordergrund stand und viele sich nach ihr erkundigten. Das zeigte mir, dass sich viele Sorgen um sie machten und sie für die Menschen wichtig ist. Das war auch wichtig für mich. Auf der anderen Seite ist Ida auch meine Tochter, die ich zu den Sternen gehen lassen musste. Auch ich habe Gefühle von starker Trauer.

Du hast den hashtag #dadsgrievetoo auf einem Tshirt verwendet. Was möchtest du damit zeigen/aussagen?

-Dads grieve too- übersetzt ins deutsche, bedeutet -Väter trauern auch-. Ich habe diesen „Hashtag“ auf Instagram gefunden und er hat mich sofort berührt! Er gab mir Bestätigung, dass auch wir Sternenväter das Recht zu trauern haben. Ich habe diesen auf mein Sport- Shirt drucken lassen, weil ich diese Message bewusst nach außen tragen möchte. Unterstrichen, mit dem in rosa gedruckten Schriftzug, STERNENKINDER UNVERGESSEN. Dadurch wollte ich eine schlagartige Verbindung zu beiden Aussagen schaffen.

Was hat dir in deiner Trauer geholfen? Was nicht?

Mir hat die bereits gefestigte Ehe/Beziehung mit meiner Frau sehr geholfen, dass eine gefestigte Basis vorhanden war. Klar mussten wir auch erstmal bzgl. der Trauer zueinander finden. Warum? Weil jeder Mensch unterschiedlich trauert. Und das auch völlig ok so ist- Punkt.

Zudem hat mir die Organisation – Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister e.V. – vor allem die Mitarbeiterin Astrid- Gosch Hagenkord so sehr positiv gestärkt, dass ich gelernt habe über die Trauer und meine Gefühle zu reden. Gefühle und die Trauer zu zulassen.

Und auch nicht zu vergessen, dass meine Familie immer hinter uns stand. Mama, Bruder, Schwiegereltern. Ein weiterer sehr wichtiger Backup sind meine Freunde, die mich mit unerwarteten Aktionen (Bilder in denen sie ihre Anteilnahme zum Ausdruck gebracht hatten) unterstützt haben. Sie schrieben meiner Frau, mir und Ida sehr bewegende Briefe.

Es gab auch Momente, die mich unsicher machten und verletzt haben. Aussagen, die sicherlich aus Unsicherheit oder Unwissenheit getroffen wurden. Trotzdem schmerzten sie. Vor allem, wenn sie von Menschen getroffen wurden, von denen man es am wenigsten erwartet hätte.

Du bist Sportler. was bedeutet für dich in deiner Trauer die Bewegung?

Idas stille Geburt ist während den Vorbereitungen für Wettkämpfe geschehen. Die Vorbereitungen verliefen dann verständlicherweise nicht nach Plan. Sie waren dann auch klarerweise zweitrangig.

Dennoch bin ich bei den Wettkämpfen angetreten und habe mir Trauer um Ida als Motivation für mich genutzt. Dieser Tag war auch sehr prägend für mich. Ich habe Ida als Geschenk angesehen, dass ich für sie Wege gehe- dass ich Ida im Sport als unersetzbare Motivation nutze, die kein anderer Mensch mir geben kann.

Die Bewegung hilft mir auch mich selber zu spüren, Kraft tanken und Ida nahe zu sein!

Nach einer harten Trainingseinheit war ich total gelöst, sodass ich dann auf der Heimfahrt während der Autofahrt komplett in Tränen ausgebrochen bin. Ich spürte, dass ich etwas für Ida getan habe.

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Abschließend: Was möchtest du einem Sternenpapa hier nicht mitgeben?

Ganz vorsichtig geschrieben, es gibt in der Trauer kein richtig oder falsch. Das setzt meiner Meinung nach vorraus, dass man sich darauf eingelassen hat und sich damit auseinandersetzt. Aus eigener Erfahrung, die ich vor fünf Jahren, als mein Vater verstarb und ich mich nicht damit auseinandergesetzt habe. Natürlich war ich traurig, dennoch wählte ich damals den Weg, „normal“ weiter zu machen, als ob nichts wäre. Ich habe es ignoriert. Dies hat mich bei Ida sowas von brutal eingeholt.

Auch wir, Sternenväter, haben das Recht zu trauern. Sich eine Auszeit zu nehmen und für sich und für seine Frau da zu sein. Trauer endet nie. Man lernt damit umzugehen.

In Gedanken an meine über alles geliebte Tochter Ida.

David findest du hier auf Instagram:

Wie sind deine Erfahrungen als Vater? Erzähle uns davon in den Kommentaren!


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