13 Jahre. 13 Todestage. Und noch immer weiß mein Körper manchmal früher Bescheid als mein Kopf. Todestag und Trauer beginnen für mich nicht erst mit diesem einen Datum im Kalender. Manchmal werde ich schon vorher unruhiger, schlafe schlechter oder bin dünnhäutiger. Erst später merke ich: Da nähert sich wieder dieser Tag. Mein Körper erinnert sich an eine Zeit, die für ihn offenbar nie einfach nur Vergangenheit geworden ist.
Und genau das möchte ich heute entlastend aussprechen: Es gibt keine richtige Art, einen Todestag zu erleben. Nicht im ersten Jahr und auch nicht nach 13 Jahren. Manchmal ist da tiefe Traurigkeit, manchmal Anspannung, manchmal Leere. Und nichts davon sagt etwas darüber aus, wie groß meine Liebe war oder wie sehr ich diesen Menschen vermisse.
Der Todestag ist mehr als ein einzelner Tag
Für mich ist der Todestag längst eine ganze Zeitspanne geworden: Vorlauf, Tag und Nachlauf. Da sind die Stunden davor, in denen mein Inneres mitzuzählen scheint. Da ist manchmal die Spannung im Körper und danach die Erschöpfung. Gerade wenn Trauer und traumatische Erinnerungen zusammenkommen, kann sich dieser Jahrestag auf vielen Ebenen zeigen. Der Körper braucht dann nicht noch mehr Druck, sondern Sicherheit, Halt und Verständnis.
Auch meine Rituale haben sich verändert. Anfangs war der Friedhof für mich kein Ort, an den ich gehen wollte. Heute gehe ich gerne hin. Früher war dieser Tag enger mit der ganzen Familie verbunden, heute darf jede und jeder selbst entscheiden, was guttut. Sport gehört für mich weiterhin dazu. Denn Todestag und Trauer dürfen sich verändern. Rituale sollen mich tragen, nicht verpflichten.
Nach 13 Jahren ist dieser Tag nicht einfach verschwunden. Er ist anders geworden. Ich darf jedes Jahr neu fragen: Was möchte ich tun? Mit wem möchte ich sein? Und was möchte ich bewusst weglassen? Vielleicht ist genau das eine Form von liebevoller Selbstfürsorge: meinem Körper zuzuhören und diesen Tag nicht „richtig“ machen zu müssen.
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