Die Trauerbloggerin Silke Szymura hat diesen besonderen Tag ins Leben gerufen, um der Trauer einen Platz in der Gesellschaft zu geben. Ein Thema, das sonst ja mehr oder weniger verschwiegen wird und ein großes Tabu darstellt. Heute soll aber die Trauer ganz laut sein dürfen. Und alle, die mögen können ihren Beitrag dazu leisten: Aktion Alle reden über Trauer!

Vor zwei Jahren habe ich bereits bei der Aktion mitgemacht und war begeistert. Damals habe ich über den SeelenSport und meine Geschichte geschrieben. Seitdem ist viel passiert. Seitdem habe ich auch Silke und ihre Geschichte ganz persönlich kennenlernen dürfen. Und ich kann mittlerweile sagen, dass sie eine Freundin für mich geworden ist. Sie musste ihren geliebten Partner verlieren, ganz plötzlich und unerwartet. Das hat mich selbst ganz fest traurig gemacht. Ein Interview dazu durfte ich bereits mit ihr veröffentlichen. Du findest es HIER.

Heute ist Julians Todestag. So heißt ihr Partner. Dadurch, dass mir Silke so sehr ans Herz gewachsen ist war für mich klar, was ich an diesem besonderen Tag schreiben möchte. Einen Brief an Julian…

Lieber Julian

Ich habe dich nie persönlich kennengelernt und doch habe ich das Gefühl, dass ich dich kenne. Nämlich durch deine Partnerin Silke. Durch ihre Erzählungen und Worte habe ich das Gefühl, dein Lächeln und dein Wesen zu kennen. Ich durfte Bilder von dir sehen, die mich ganz fest traurig gemacht haben. Nicht, weil ich dich direkt vermisse, aber weil ich weiß, dass Silke dich fest vermisst. Und wenn ich daran denke, dann kommen mir auch gleich wieder die Tränen. Wenn du wüsstest, wie viele Tränen um dich bereits geweint wurden. Du würdest es wohl kaum fassen können.

Ich habe Silke auf der Messe Leben und Tod 2018 endlich live und persönlich kennenlernen dürfen. Aber das hat sie dir bestimmt schon erzählt. Vom ersten Moment an habe ich sie in mein Herz geschlossen. Sie ist ein unfassbar lieber Mensch und die Wahl ihrer Worte erstaunen mich immer wieder erneut, wie präzise und gleichzeitig so gefühlvoll. Da werde ich ja fast schon neidisch 😉 Ich kann also gut verstehen, dass du sie geliebt hast. Ich habe sie heute auch doll lieb.

Du bist gestorben und sie ist hier geblieben. Alleine in dieser Gesellschaft, in der kein Platz für Trauer ist. Hast du das gewusst? Ich denke kaum einer weiß das, bevor er selbst nicht mit der Trauer konfrontiert wird. Ich wusste es auch nicht. Du hast dann ja mitbekommen, dass Silke sich das so nicht einfach Gefallen hat lassen. Hast du es mitbekommen? Wer weiß das schon, ich weiß es nicht, aber ich hoffe es sehr. Silke hat sich aufgerappelt und einen richtig tollen Blog auf die Beine gestellt: In lauter Trauer. Was für ein grandioser Titel, habe ich damals sofort gedacht. Das hast du dir bestimmt auch gedacht, wenn du noch denken kannst, irgendwie, irgendwo. Und was sie alles mit diesem tollen Blog bewirkt, ist ihr selbst wohl manchmal nicht bewusst. Aber sie ging noch einen Schritt weiter. Sie hat sogar zwei Bücher geschrieben. Und ich sage dir lieber Julian, die sind wirklich verdammt gut. Jeden Tag, wenn ich ins Büro gehe, werfe ich einen Blick drauf und denke an Silke, und an dich. Manchmal macht es mich ganz fröhlich, manchmal auch ein bisschen traurig. Und manchmal denke ich dabei an meine Schwester Larissa. Und dann frage ich mich, kennst du sie? Ist sie bei dir?

Ich stelle mir dann oft vor, dass ihr an eurem Ort ganz wohl und glücklich seid, uns beide hier unten beobachtet und wirklich stolz seid. Ohja, du kannst ja sowas von stolz auf deine Silke sein. Sie macht das sowas von gut! Jetzt nickst du wahrscheinlich kräftig, mit einem Lächeln im Gesicht. Ich möchte dir mit diesem Brief einfach sagen, dass ich froh bin, dass Silke dich eine Zeit lang auf dieser Welt in deinem Leben begleiten durfte. Denn ihre Liebe zu dir bringt heute so viel an Hoffnung, Mut und Kraft in diese Welt. Und das braucht diese Welt, mit dieser Gesellschaft. Dort, wo Trauer noch immer so still sein muss, bringt sie laute Töne hinein, öffnet Herzen und verbindet sie.

Immer wieder denke ich daran, wie verdammt schade und traurig es ist, dass wir uns niemals persönlich kennenlernen konnten. Doch mir ist bewusst, dass wenn du heute noch physisch lebendig wärst, ich wahrscheinlich niemals Silke begegnet wäre. Aber wer weiß das schon wieder, das bleibt wohl eine Träumerei.

Weißt du irgendwie vermisse ich dich trotzdem, einfach weil Silke dich vermisst. Und ich kann sie ganz gut spüren und mit ihr mitfühlen. Das können Freunde. Das kann die Liebe. Mach dir also keine Sorgen um sie. Sie wird hier weiter geliebt und geschätzt, anders aber doch auch ähnlich fest.

Eine Bitte habe ich auch an dich! Kümmere dich ein bisschen um Larissa, sie lacht ebenfalls ganz gerne und zusammen lachen ist immer toller. Drück sie fest von mir.

Ich versuche inzwischen hier unten noch ein bisschen mit Silke zu verweilen und die Trauer wieder mehr in die Gesellschaft zu rücken. Denn im Grunde ist sie das Tollste was wir haben: Die Möglichkeit mit Verlusten weiterleben zu können, Dankbarkeit zu erleben und eine Lebendigkeit, die es sonst niemals im Leben gäbe. Und Begegnungen zu erfahren, die voll von Liebe sind, trotz all dem Schmerz im Herzen.

Machs also gut, wo immer du auch bist,

alles Liebe,

Katy


Liebe Silke. Danke für dein Sein und deine Freundschaft!