Sehnsucht

Besonders jetzt in der Coronakrise ist uns die Sehnsucht alltäglich bekannt. Wir sehnen uns danach wegzureisen, Menschen ohne Angst und schlechtes Gewissen umarmen zu können, auf Veranstaltungen zu gehen, mit Freunden essen zu gehen und noch so vieles mehr. Das meiste davon geht derzeit nicht oder nur mit Einschränkungen. Aber auch wenn Menschen andere Verluste erleben, kommt ganz viel Sehnsucht auf. Wie können wir mit diesem Gefühl umgehen und wie kann es uns sogar helfen voranzukommen, kreativ zu werden?

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Vor einigen Wochen verspürte ich eine tiefe Sehnsucht nach Wandern in den Bergen. Ich lebe in Tirol und bin davon umgeben. Also könnte ich ja einfach losgehen. Leider habe ich eine Symphysenlockerung während meiner Schwangerschaft, was mich daran hindert, schmerzfrei zu spazieren, geschweige denn wandern zu gehen. Ich wurde traurig und spürte wie mich diese Sehnsucht noch mehr packte. Deshalb überlegte ich, was ich stattdessen machen könnte. Das Wetter war zudem nass und kalt. Ich setzte mich Abends auf die Couch und zog mir zwei Stunden eine Doku über Bergwelten rein. Im Anschluss hörte ich mir noch eine Meditation zum Thema Berge und Wald an. Für den Moment war ich befriedigt und entspannt.

Das Gefühl Sehnsucht

Was genau möchte uns eigentlich dieses Gefühl sagen? Wofür ist es gut? Sehnsucht steht immer mit Handeln in Verbindung. Ohne sie würden wir still stehen und nicht vorankommen. Wir leben in einer Realität und sehnen uns nach einer alternativen Wirklichkeit. Diese Sehnsucht treibt uns voran, kann uns aber gleichzeitig einiges abverlangen. Dann, wenn sie in eine Art Abrackern über geht, die wie eine Sisyphusarbeit niemals endet. Sind die Schritte und die Herangehensweise nicht gut gewählt, kann uns das eher auslaugen und unzufrieden machen. Es ist also ein schmaler Grat, auf dem wir uns befinden.

Beginnen wir uns intensiv mit unseren Sehnsüchten zu beschäftigen, kann das ganz viel an anderen Gefühlen ausgraben, die bisher keine Beachtung bekommen haben. Das kann Angst, Scham und auch Traurigkeit bedeuten. Besonders dann, wenn wir mit unserer realen Lebenswelt nicht im Einklang sind und selbst an dieser Situation die Verantwortung tragen. Trotzdem kann dich die Sehnsucht auch hier wieder in eine gute Richtung lenken, um zu verändern und neu zu gestalten.

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Kleine Schritte

Wichtig ist, wenn wir uns nach einem Ziel, einer Veränderung, egal ob groß oder klein, sehnen, in kleinen Schritten zu denken und zu handeln. Ansonsten ist Scheitern vorprogrammiert. Du sehnst dich vielleicht nach einer langen Reise und sagst dir immer wieder: „Irgendwann werde ich ein paar Monate dorthin reisen.“ Nimm die Sehnsucht dafür her, um konkreter vorzugehen. Welche Schritte sind notwendig, um diesen Wunsch umzusetzen, die Sehnsucht zu stillen und anzugehen? Musst du Geld dafür sparen? Was muss alles organisiert werden? Baue auch immer wieder Momente der Dankbarkeit ein, sodass dich die Sehnsucht nicht zu sehr einnimmt. Wie kannst du „Reisemomente“ in deinen Alltag reinbringen, die dich träumen lassen und dir Kraft spenden? Voraussetzung ist also, selbst aktiv zu werden, anstatt abzuwarten bis die Sehnsucht gestillt wird.

Sehnsucht in Bewegung

Als meine Schwester Larissa starb, träumte ich fast jede Nacht von ihr. Sie tanzte auf einer Wiese und ich sehnte mich nach ihrer Nähe. Also griff ich nach ihr, machte mich lang, streckte mich danach aus. Meistens verpuffte sie, oder löste sich in Staub aus. Als ich aufwachte, griff ich nach ihren Bildern, Kleidern etc. und umarmte diese stattdessen. Die Sehnsucht nach ihr trieb mich dazu, in Bewegung zu kommen. Denn Sport war meine Verbindung zu Larissa. Wenn ich trainierte, spürte ich sie unendlich nahe bei mir und meine Sehnsucht war ein wenig gestillt.

Setze dich in einen Schneidersitz, strecke beide Arme seitlich von dir, bewege deinen Oberkörper sanft hin und her, wie beim Schunkeln. Mit deinen Händen versuchst du nach etwas zu greifen und es einzufangen. Überlege dir wonach du dich sehnst und lass dich voll auf das Gefühl ein. So kannst du dem Gefühl ein wenig körperlichen Ausdruck verleihen und dir Zeit nehmen, dich selbst und deine Sehnsüchte neu zu erforschen. In meinem neuen Buch SeelenSport findest du die Übung Haar der Berenike, die sich noch gezielter mit der Sehnsucht beschäftigt.

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Wonach sehnst du dich gerade besonders? Schreibe es in die Kommentare.