Endlich ist der Frühling wieder da. Und mit ihm startet auch wieder die so beliebte Wanderkultur. Die Blüten beginnen zu blühen, die Vögel zwitschern wieder ganz laut und alles duftet nach Gras. Ein tolles Gefühl, wäre da doch bloß nicht diese Trauer manchmal. Ich weiß, du hast oft einfach nur Lust daheim zu sitzen und nichts zu tun, als zu weinen. Glaub mir, auch mir geht es oft so. Und dann zwitschern da diese Vögel, die ich bis ins Zimmer höre und ich denke: „Warum denn das Weinen nicht mit ein bisschen Bewegung und Natur verbinden? Schlimmer kanns ja nicht mehr werden!“ Ich pack also meinen Rucksack und rüste mich für eine ausgiebige Bergtour. Was dann dort passiert, nenne ich die Magie der Trauer.

Sobald ich auf dem Wanderweg, mitten im Wald oder auf einer Bergwiese angekommen bin und langsam meine Umgebung wahrnehme, fängt an sich mein Herz zu bewegen und lautstark zu pochen. Noch intensiver wird dieses Gefühl, wenn ich an einem Gewässer vorbei spaziere und das Plätschern des klaren Wassers höre. Mich dann langsam dorthin bewege, meine Hand ins kalte Nass halte und das Wasser, die Lebendigkeit auf meiner Haut spüre. Und ganz plötzlich huscht ein Eichhörnchen auf den Baum, ein Reh springt vorbei oder die Vögel fliegen singend durch die Gegend. Und dann sind da diese Schmetterlinge. Sie flattern unbeschwert um dich herum und setzen sich auf deine Haut.

Diese unbeschreiblichen, lebendigen Momente wühlen deine Trauer wild umher und hinzu kommen Dankbarkeit und Liebe, die dich ganz tief im Herzen berühren. Deine Tränen fließen und tropfen von den Wangen herab, gleichzeitig lächelst oder lachst du sogar. Und der verstorbene Mensch scheint plötzlich ganz präsent und anwesend zu sein. Im Lichte des Waldes, in den Klängen der Vogelstimmen, im Rauschen des Wassers und in der Gestalt des Schmetterlinges, der deine Haut mit Wärme berührt. Das ist die Magie der Trauer auf den einsamen Wanderwegen der Natur. Und das Wundervolle daran: Die Natur richtet nicht. Sie lässt dich sein mit all deinen Gefühlen. Der Schmetterling und die Tiere des Waldes fühlen sich nicht gestört durch deine Tränen. Du kannst sie unbeschwert fließen lassen, bis sie von selbst wieder trocknen.

Je weiter dich dein Weg nach oben führt desto mehr wirst du eins mit der Natur und spürst die Liebe deines Verlustes noch intensiver. Du fühlst dich einerseits alleine und einsam, im gleichen Zuge aber befreit, weil du durch diese Einsamkeit, weit weg von der Gesellschaft, du selbst sein darfst. Wenn dein Ziel eine Alm ist, dann gönn dir den Ausblick, die Ruhe und Freundlichkeit der Menschen dort und genieße eine köstliche Almjause, um dich zu stärken. Auch hierbei wirst du die Erholung und den Ausgleich spüren, was deinem trauernden Herzen einfach nur gut tut. Manchmal geht das Ziel aber noch weiter auf ein Gipfelkreuz. Ein Ziel, das sehr viel Ausdauer, Kraft und Durchhaltevermögen mit sich bringt, die Belohnung dafür aber umso wertvoller ist. Das Gefühl etwas derart schwieriges erreicht zu haben, schenkt dir auch im Alltag Mut und Kraft.

Aber das Schönste daran ist, das Gefühl dem Himmel so nah wie nie zu sein. So, als ob du deine Hand einfach nach oben ausstrecken und anklopfen könntest, um deinem geliebten Menschen nur mal kurz Hallo zu sagen. Dieses Gefühl schenkt so viel Nähe und Geborgenheit, Glück und Freiheit. Manchmal führe ich dann auch Gespräche mit meiner Schwester, dort oben, ganz nah bei ihr, in der Hoffnung, dass sie meine Stimme vielleicht hört. Und im Winde nehme ich die ihre dann ganz leise wahr und schöpfe aus ihr neue Lebensfreude. Währenddessen genieße den weiten Blick auf diese wundervolle Erde und wenn du dann soweit bist, verabschiede dich liebevoll und begebe dich auf einen kraftvollen Abstieg.

Auch auf dem Weg nach unten solltest du dir Zeit und Pausen nehmen, die Umgebung achtsam wahrnehmen, in dich aufsaugen und ganz viel Kraft tanken. Kraft, die du unten angelangt in der Gesellschaft wieder brauchen wirst.

Doch was bleibt, sind diese wundervollen Eindrücke der Natur, die wie Balsam für die Seele auf dich einwirkten, die Momente der Nähe zu deinem tragischen Verlust und vor allem das Mensch-sein dürfen mit all deinen Gefühlen, die dich täglich begleiten.


Auf den Punkt gebracht: Warum also wandern gehen?

  • Die Bewegung schenkt deinem Körper ausreichend Wohlbefinden und stärkt deine Beine
  • Du kannst dir eine Auszeit vom Funktionieren in der Gesellschaft gönnen
  • Die Ruhe in der Natur gibt dir Entspannung und Ausgeglichenheit, die dein Körper jetzt brauchen
  • Das Erreichen eines Ziels (Alm/Spitze) stärkt auch deine Motivation im Leben wieder einen Sinn zu finden und dir neue Ziele zu setzen
  • Hast du einen geliebten Menschen durch den Tod verloren, wirst du dich ihm näher fühlen, als vielleicht schon lange nicht mehr
  • Wenn ein Verlust anderer Art dich belastet, befreit dich das Wandern für einen Moment von dieser Last im Kopf
  • Kaiserschmarren und Knödel machen immer ein Stück weit glücklich und schmecken in den Bergen noch viel besser 😀

Wenn du mit mir zusammen wandern möchtest, schau doch bei meiner SeelenSport Erholungswoche vorbei und spüre die Magie der Trauer direkt an dir selbst …


Mach dich auf den Weg und erzähle mir von deiner Magie der Trauer beim Wandern? Wohin wanderst du am Liebsten?