Tiertrauer

In beinahe jedem zweiten Haushalt in Österreich lebt ein Haustier. Meistens sind es Hunde und Katzen, aber auch Kleintiere und Reptilien werden immer beliebter. Das Tier wird zum Familienmitglied und verbringt im besten Fall etliche Lebensjahre dort. Was aber, wenn ein solches Tier stirbt? Was passiert dann? Wenn ein Mensch stirbt wird er würdevoll bestattet. Doch nicht so bei einem Tier. Und was ist mit der Trauer um das Tier? Darf sie denn sein, wenn schon die Trauer um einen Menschen ein Tabuthema in unserer Gesellschaft ist? Auf der Suche nach diesen Antworten habe ich mich mit einer Tierbestatterin getroffen und ein ausgesprochen interessantes Gespräch über das Leben, den Tod und die Trauer um ein Tier geführt.

Die Liebe zum Haustier

Haustiere, vor allem Hunde und Katzen, werden zu engen Familienmitgliedern und noch weiter zu wahren Seelenströstern. Gerade ältere Menschen, die vielleicht einsam sind oder Menschen, die bereits tragische Verluste durchleben mussten, finden in ihren Haustieren echten Halt und Trost und auch ein Stück an Lebensfreude wieder. Sie schenken manchen Menschen eine neue Aufgabe im Leben und ganz viel an bedingungsloser Liebe.

In meiner Kindheit hatten wir etliche Haustiere. Meist waren es Hamster, Meerschweinchen und Hasen. 2010 holte sich meine Mama einen Mops ins Haus. Kurz davor war die Trennung zu meinem Vater und meine jüngste Schwester Mara war gerade mal 13 Jahre alt. Diese wollte schon lange einen kleinen Hund. Nun war es dann so weit. Der kleine Kerl wuchs in die Familie hinein und wurde ein wichtiger Teil davon. Auch meine verstorbene Schwester Larissa liebte den kleinen Hund mit vollstem Herzen und nahm ihn oft auf ihren Wandertouren mit. (siehe Beitragsbild)

Anna, eine weitere Schwester, war bereits als kleines Kind eine absolute Hundefanatikerin. Bulldoggen hatten es ihr besonders angetan und rund um ihr Bett waren Stoff- und Dekobulldoggen zu finden. Wenige Tage bevor Larissa sterben musste bekam Anna eine englische Bulldogge. Ihr Partner damals brachte einen kleinen Rehpinscher mit in den Haushalt. Und so waren da plötzlich drei Hunde.  An jenem Tag, als wir von Larissas Tod erfahren haben, saßen wir Schwestern zu dritt auf der Couch und weinten bitterlich. Die drei Hunde teilten sich auf und trösteten uns mit viel Wärme und ihren liebevollen Blicken. Sie spürten den Schmerz und das Leid im Raum. Ich weiß, dass für meine Schwester Anna ihre Bulldogge eine Art Lebensretter zu dieser Zeit war. Ebenso half Mama unser kleiner Mops dabei den Weg der Trauer zu gehen.

Haustiere urteilen nicht und nehmen dich mit all deinen Gefühlen an. Besonders Hunde und Katzen können Trauernde unterstützen. Sie bleiben treu, egal wie groß deine Trauer ist.

Meine Mama lebte von da an mit Mara alleine in der Wohnung. Larissa, die sehr oft mit Milow spazieren ging, war plötzlich nicht mehr da. Und im März 2017 zog dann schließlich auch meine jüngste Schwester nach Innsbruck. Den kleinen Milow konnte sie nicht  in die Stadt mitnehmen. So war meine Mama plötzlich alleine mit dem Hund. Sie musste fast Vollzeit arbeiten und konnte sich kaum mehr um ihn kümmern. Aus Liebe zum kleinen Mops musste sie ihn schlussendlich an eine Familie geben, die sich voll und ganz um ihn kümmern konnten und sogar noch einen zweiten Mops hatten. So war der kleine Milow gut aufgehoben. Doch was war mit meiner Mama? Sie litt enorm unter diesem Verlust und musste viel weinen. Er ist nicht gestorben und dennoch war er plötzlich weg. Gerade, wenn Menschen zuvor bereits schlimme Verluste erlebten, kommen alte Gefühle wieder hervor, sobald sie mit neuen Verlusten konfrontiert werden. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.

Tiertrauer in unserer Gesellschaft

Was, wenn ein Tier wirklich stirbt? Darfst du deine Trauer dann benennen? Wie geht unsere Gesellschaft damit um? Und was passiert denn eigentlich mit dem toten Tier? Unsere Kleintiere haben wir immer selbst begraben. Aber was geschieht mit Hund und Katze? Ich habe mich daraufhin auf die Suche gemacht und eine ganz liebe Tierbestatterin in Innsbruck gefunden. Einen Nachmittag lang bin ich mit Alexandra von Empresario Neurauter (Tierbestattung Tirol) zusammen gesessen und diesen Fragen nach gegangen.

Tierbestattung Tirol

Alexandra vor ihrem Logo der Tierbestattung Tirol

Liebe Alexandra, erzähle mir doch deinen Werdegang zur Tierbestatterin…

Bereits als Kind hatte sie den Traum Tierärztin zu werden. Allerdings konnte sie sich nicht vorstellen mit der Situation umzugehen, wenn ein Tier auf ihrem Operationstisch sterben würde. Es wäre damals eine zu große psychische Belastung für sie gewesen. Vielleicht wäre das heute anders. Aus medizinischer Sicht interessierte sie das Thema aber sehr.

Sie las viel über Tierbestattungen, das Tierkrematorium Wiens und den Tierfriedhof. Das Haustier einer Bekannten starb und sie begleitete diese zum Tierkrematorium München. Dort kam sie mit dem Chef ins Gespräch. Er erklärte, er finde es schade, dass keine Tierbestattung in Tirol angeboten wird und sie daher viel dorthin fahren müssen.  Am Ende ihres Gesprächs sagte er den Satz: „Also i tat sogn, sie machen des. Wenns keiner macht, warum denn nicht sie?“ Verblüfft darüber und nachdenklich machte sie sich auf den Heimweg. Der Gedanke ging ihr nicht mehr aus dem Kopf. Sie hatte einen guten Job und eine Selbstständigkeit war immer mit gewissen Risiken verbunden. Außerdem war es eine neuwertige Sache in Tirol und sie brachte Fragen und Unsicherheit mit sich. Gerade in Tirol sind viele weniger offen gegenüber Neuem. Dennoch wagte sie den Schritt gemeinsam mit ihrem Partner Andreas und begann alles dafür vorzubereiten.

Tierärzte wurden darüber informiert, dass diese Möglichkeit nun bestünde. Schon in der Eröffnungsnacht bekamen sie drei Sterbefälle rein. Trotzdem verlief der Anfang ein wenig schleppend.

Was glaubst du war die Ursache für den schweren Start?

Einerseits war es wie bereits erwähnt eine neuartige Sache, andererseits hatte sie mit dem Tod zu tun. Viele Menschen wollen sich nicht mit dem Tod auseinandersetzen und er ist in unserer Gesellschaft ein großes Tabu. Sie befassen sich solange nicht damit, bis sie es zwangsläufig müssen. Für viele ist die Vorstellung ein Tier zu begraben sehr befremdlich und hat einen niedrigen Stellenwert. Denn in einigen Augen ist ein Haustier ja „nur ein Tier“, das keine Beerdigung braucht oder verdient hat. Dazu dann später mehr.

Wie denkst du selbst über den Tod?

Er berührt und macht traurig, sie habe ihn aber als Teil des Lebens akzeptiert. „An dem Tag, wenn wir geboren sind, sterben wir, jeder irgendwann. Ewiges Leben würde nicht glücklich machen.“ Man solle sich auch nicht permanent damit befassen und immer daran denken, aber ein Bewusstsein schaffen, dass er existiert und dazu gehört.

Gibt es bestimmte Voraussetzungen für den Job als Tierbestatterin?

Keine Ausbildung ist dafür notwendig, nur eine Konzession bezüglich der Hygienestandards. Für das Kühlhaus braucht es eine Betriebsanlagengenehmigung. Von einem Amtsveterinär ist immer ein Stempel notwendig, besonders, weil hier eine Grenzüberschreitung stattfindet (das tote Tier kommt nach München ins Krematorium).

Was passiert mit einem Tier, wenn man es nicht bestatten lässt?

Tierärzte klären in der Regel auf, was mit dem Tier anschließend passiert. Sie stehen oft leider in einer Zwickmühle, weil sich die Menschen in sehr emotionalen Situationen befinden Dadurch vermeiden sie Details, was anschließend passiert und lassen die Trauernden mit einem „lass es einfach da, wir machen das nun schon“ gehen.

Verstorbene Haustiere kommen in der Regel in die Tierkörperverwertung. Dort werden sie mit anderen Schlachtabfällen, Wildabfällen (vom Vasenmeister gelagerte Unfalltiere) verwertet. Erst werden noch Produkte hergestellt, wie Tiermehl und Seifen, bevor sie dann in einem Haufen verbrannt werden.

Manche Haustiere dürfen auch zu Hause begraben werden. Hierfür gibt es aber Regelungen, die beachtet werden sollten. Lageplan und Grundplan sind ausschlaggebend. Bretter und ein geeigneter Leichensack müssen besorgt werden.

Warum ein Tier bestatten und welche Schritte passieren bei einer Tierbestattung?

Haustiere sind Lebewesen und werden mit der Zeit zu Familienmitgliedern. In gewissen Bereichen soll ein Tier auch Tier bleiben und artgerechte Behandlung erfahren dürfen, doch wenn es stirbt, soll es auch einen würdevollen Abschied haben dürfen. Nicht nur des Tieres wegen, sondern auch für sich selbst, um einen ganzheitlichen Abschied zu bekommen.

Der Tierarzt ruft an und berichtet über den Tod eines Tieres und die notwendigen Informationen dazu. Das Tier wird anschließend hygienisch in einem Metallsarg abgeholt. Ein Schamottstein mit Logo und Nummer kommt sofort hinzu, welcher das Tier bis hin zur Verbrennung begleitet. Somit kann nachverfolgt werden, dass dieses Tier alleine und würdevoll verbrannt wurde und gleichzeitig wird die Identifikation bestätigt.

Schamottstein Tierbestattung tirol

Ein Schamottstein

Anschließend wird das Tier ins Kühlhaus gebracht. Dort wird standardmäßig ein Pfotenabdruck gemacht, auf Wunsch auch in Ton möglich.  Jeden Mittwoch werden dann die verstorbenen Tiere ins Krematorium nach München gebracht. Bis dahin wurden alle notwendigen Dinge, wie Urnenauswahl und sonstige Extras, mit den Trauernden, besprochen.

Diese Extras reichen von Urnen, die selbst bemalt werden können,  bis hin zu zeremoniellen Verabschiedungen mit Gedichten, Getränken, Blumen, etc.

Für die Verbrennung kann man zwischen Einzel- und Gruppenverbrennung (1-3 Tiere) wählen. Diese Asche kommt dann in eine Sammelurne und wenn sie voll ist in ein Erdgrab. Dieses kann man jederzeit in München besuchen und Blumen hinlegen.

Am Ende erhält man die Urne mit der Asche und eine wundervoll gestaltetes Dokument.

Zertifikat Tierbestattung

Wunderschön gestaltete Dokumente werden der Urne hinzu gegeben

Welche Arten von Urnen gibt es und wie teuer ist eine solche Bestattung?

Hier sind der Fantasie kaum noch Grenzen geboten: Von typisch geformten Urnen, über Urnen, die wie Herzen aussehen oder tropfenförmig sind und an eine Skulptur oder einen Dekoartikel erinnern, bis hin zu Urnen, die wie Hunde- oder Katzenstatuen aussehen ist alles dabei. Auch Streurnen gibt es, die besonders beliebt sind.

Tierurnen Neurauter

Die Auswahl an Urnen ist groß!

Die Preise beziehen sich auf das Gewicht des Tieres. Für die Abholung des toten Tieres selbst wird innerhalb von Innsbruck nichts verrechnet. Hinzu kommen Extras und der Preis der Urnen. Als Beispiel, eine normale Katzenbestattung kostet im Schnitt inklusiver kleiner Urne um die 250 Euro.

Die teuerste Form der Bestattung ist die Edelsteinbestattung: Hier werden aus den Elementen der Asche wunderschöne Edelsteine geformt. Die Elemente bestimmen die Farbe des Steines. Kostenpunkt: 1900 Euro circa.

Welche Arten von Haustieren hast du bereits bestattet?

Fast alles kam ihr schon in die Hände: Hunde, Katzen und Kleintiere sind die Häufigsten, aber auch Fische, Schlangen und Eidechsen wurden bereits bestattet. Einzig eine Spinne kam ihr noch nicht unter.

Nun zur Trauer:

Wie intensiv erlebst du die Trauer bei den Hinterbliebenen? Was bietest du hier an?

Viele hatten eine sehr enge Bindung zu ihrem Tier, manche sagen sogar stärker, als zu einem Menschen. Besonders dann, wenn Menschen alleine oder stark fixiert auf das Tier waren. Trauergespräche sind automatisch immer mit einbezogen in ihrer Arbeit und ergeben sich meist spontan heraus. Auffallend ist, dass nicht nur das Vermissen an sich schmerzt, sondern durch das Ausbleiben der Gewohnheiten (Spaziergänge, Füttern, Streicheln…) Trauernde sich selbst verlieren und nicht wissen, was sie nun mit sich anfangen sollen. Durch die Rituale davor haben die Menschen eine Sicherheit, eine Konstante, die plötzlich nicht mehr da ist und sie dadurch in ein Loch fallen können.

Bei älteren Tieren sind Besitzer oft sehr dankbar für diese lange Zeit und es tröstet sie ein wenig zu wissen, dass sie gute Besitzer waren. Die Trauer ist besonders intensiv bei plötzlichen Todesfällen, wie Unfällen, oder wenn das Tier noch relativ jung war, ähnlich wie beim Tod eines Menschen. Nicht selten mischen sich dann Schuldgefühle hinzu.

Die Trauernden sind nach den Gesprächen immer unfassbar dankbar. Durch den Erhalt der Urnen werden sie direkt mit dem Tod konfrontiert und es wird ihnen selbst oft bewusst, dass auch sie sterblich sind. Sie gehe in den Gesprächen immer sehr einfühlsam an diese Thematik heran und stelle sich auf den Einzelnen ein.

Trauer ist ja ein stark tabuisiertes Thema in unserer Gesellschaft. Hast du das Gefühl das gilt noch mehr im Bereich der Tiertrauer?

Leider gibt es einige Menschen, die eine Tierbestattung als übertrieben und unnötig ansehen. Dadurch sind Trauernde über ein Tier sehr eingeschränkt in ihrer Trauer. Sie müssen sich oft Sätze anhören, wie „das ist doch nur ein Tier gewesen“, „was machst du denn so ein tamtam daraus“ oder „es gibt Schlimmeres“, „Tiere sollten nicht bestattet werden“. Trauernde wählen daher oft Urnen aus, die von außen betrachtet nicht mehr als Urne zu erkennen sind oder sie verstecken sie irgendwo hinten im Zimmer, sodass niemand sie sieht und sie sich dadurch nicht „rechtfertigen“ müssen. Manche trauen sich beim Tierarzt nicht zu erwähnen, dass sie eine Tierbestattung wünschen. Auch hat es schon den Fall gegeben, dass familiär die Meinung derart auseinander ging, sodass ein Familienmitglied den verschiedenen Hund heimlich bestatten ließ.

Alexandra macht das traurig. „Für mich hat das etwas mit Respekt und Akzeptanz zu tun. Ich sollte jeden in seiner Entscheidung und Trauer respektieren. Und die Trauernden hingegen haben zu wenig Kraft, um für sich, ihre Wünsche und Bedürfnisse einstehen zu können.“

Was würdest du Trauernden empfehlen, die ein Tier verloren haben?

Um sich mit der Trauer auseinanderzusetzen rät sie zu Literatur, Hörbüchern oder Gesprächen. Damit die Lücken gefüllt werden, schlägt sie vor, neue Rituale einzubauen. Statt dem Gassi gehen, sich zum Bespiel Zeit nehmen und mit dem Tier sprechen, ein Licht anzünden, Tagebuch schreiben, ein neues Hobby finden, das glücklich macht und beschäftigt. Und sie betont dabei, sich nicht unwohl zu fühlen und wirklich das zu tun, was gut tut.


Genau wie ich es immer sage.

Es ist schließlich deine Trauer und, wenn das Gefühl des Schmerzes kommt, dann darf das auch sein. Schäme dich nicht dafür und bleibe dir selbst treu. Denn, wer deine Trauer nicht respektiert, der ist kein wahrer Freund und hat es nicht verdient sich darüber Gedanken zu machen, die am Ende nur dir selber schaden. Auch wenn es schwer ist, ich weiß, dass du das kannst. Glaub an dich!

Hier findest nochmal direkt den Link zur Tierbestattung Neurauter!


Hast auch du schon ein Tier verabschieden müssen? Oder hat dir dein Haustier in deiner Trauer um einen geliebten Menschen geholfen? Erzähl mir gerne in den Kommentaren davon!