Toxische Positivität in der Trauer

Positives Denken und eine positive Einstellung können in vielen Lebenslagen wichtig und hilfreich sein. Doch wenn wir trauern und uns zu viel in die Positivität hineinzwingen oder diese von außen auferlegt bekommen, kann sich das toxisch auf uns auswirken und den Trauerprozess behindern. Toxische Positivität kann uns auf Dauer krank machen, denn nur weil ich die “negativen” Gefühle unterdrücke und überdecke mit “positiven Vibes”, verschwinden sie nicht, im Gegenteil, sie werden mächtiger und sie werden dich irgendwann überrollen.

Vor Kurzem habe ich in diversen Online Shops nach passenden Bildern für mein neues Büro gesucht. Ich fand viele spannende Motive, aber auch Sprüche. Allerdings hat sich dabei alles in mir gesträubt. “Happy vibes only”, “Be happy”, “Just smile”, “Stay positive” und noch viele ähnliche aus der Kategorie. In was für einer Welt leben wir? Ja in einer, wo Positivität erlaubt ist (wenn nicht sogar ein Muss) und der Rest ausgemerzt wird. Was aber macht das mit uns?

Vor allem bei Trauernden löst diese Einstellung immensen Druck aus. Die Erwartungen sind hoch: Ich muss schnell wieder funktionieren. Etwas Positives aus meinem Verlust ziehen, am besten schon gestern. Daran glauben, dass alles gut werden wird, obwohl grad gar nichts gut bei mir ist. Mein Ziel muss sein, mich schnell wieder gut zu fühlen, obwohl ich gerade tieftraurig bin. Mit Sätzen, die wir dann von außen noch zusätzlich abbekommen, wird der Druck noch verstärkt.

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Sag das nicht! 5 Sätze, die du lassen solltest

Denke positiv/Bleibe positiv!

Wenn wir trauern sind da aber eben noch ganz viele andere Gedanken und Gefühle. Besonders bei (tot)kranken Menschen wird oft nur eine strikt positive Einstellung gefordert, um wieder gesund zu werden. Das lässt jedoch keinen Platz für Ängste, abschließende Fragen und Gespräche und andere Gefühle, die wichtig wären für einen gesunden Verarbeitungsprozess der Situation.

Hör auf so negativ zu denken, das wird alles gut gehen

Dasselbe hier, nur in umgekehrter Variante. Gefühle werden einem einfach abgesprochen und nicht erlaubt. Sie bleiben aber trotzdem und breiten sich noch mehr aus, machen dadurch krank, wenn sie keinen Ausdruck bekommen.

Es könnte noch schlimmer sein…/Anderen geht es viel schlechter als dir.

Ich selbst hab mal den Satz abbekommen, dass es ja noch schlimmer sein könnte, wenn z. B. alle meine Schwestern tot wären und nicht nur die eine ermordet wurde. Wenn wir mit dem Vergleichen beginnen, dann dürfen wir im Leben niemals traurig sein, denn egal, was passiert, es wird immer eine noch schlimmere Situation geben. Wo genau soll das bitte enden?

Versuch das Gute darin zu sehen

In jedem Schicksal soll das Positive/Gute gesehen werden. Irgendwann vielleicht ja, wenn der lange Weg bereits gegangen wurde, aber nicht ein paar Wochen später, wenn die trauernde Person noch inmitten von Schock und Verzweiflung steckt. Und ja, es darf auch mal nichts Positives gesehen werden in einer traurigen Situation, auch später nicht.

Alles hat seinen Grund/Das Schicksal entscheidet/Es sollte wohl so sein

Hier bekam ich mal zu hören, dass es wohl die Aufgabe meiner Schwester gewesen sein muss, einen so qualvollen Tod zu sterben. Eine Aussage, die ebenfalls keinen Raum für schwere Gefühle lässt und schwer verletzt.

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Welche Sätze wirklich helfen

Hier geht es darum Raum zu geben, für alles, was da ist und dies nicht zu bewerten. Dafür kannst du auch entsprechende Worte wählen, entweder dir selbst als trauernde Person oder wenn du jemanden kennst, dem es gerade schlecht geht.

  • Es ist vollkommen in Ordnung, traurig zu sein.
  • Es ist normal in dieser Situation gerade Ängste zu spüren und negative Gedanken zu haben – was genau belastet dich gerade?
  • Manchmal ist Aufgeben auch okay, sich seine schwachen Momente zu erlauben und eine Pause zu machen
  • Ich verstehe, dass du gerade nicht positiv bleiben kannst – dafür werde ich fest positiv denken und du darfst einfach alles rauslassen, was dich belastet
  • Ja, ich weiß vieles kann schief gehen. Was macht dir dabei Angst? Was könnte vielleicht auch gut gehen?

Wir alle sollten uns von diesem Druck lösen, alles immer und überall positiv sehen zu müssen. Dann wären wir insgesamt auch eine gesündere Gesellschaft. Denn alle unsere Gefühle brauchen ihren Raum und Zeit, ein Hinschauen und Durchgehen, ein Annehmen und Verstehen.

Lass dich nicht unter Druck setzen. Du bist gut, so wie du bist und erlaube dir deinen eigenen Weg zu gehen!