Ich liebe das Jahresende. Es hat sowas Abschließendes und hilft mir immer nochmal bewusst drauf zu schauen, was gut gelaufen ist und was vielleicht nicht so. Speziell in der Trauer hat mir ein Jahresrückblick geholfen, klarer zu sehen (durch meine verweinten Augen) und mich selbst besser kennenzulernen. Vielleicht helfen dir meine Impulsfragen genauso, um einen kleinen Jahresrückblick zu starten. Schnapp dir am besten ein Notizbüchlein und los geht es.

Dein Wort für das Jahr

Wenn du ein Wort spontan wählen müsstest, das dein Jahr beschreibt, welches wäre es dann?
Dieses eine Wort sagt viel über dich, deine Gefühle und deine Bedürfnisse aus. 2020 war es für mich Anpassung. Aufgrund der Coronakrise musste ich mich privat und beruflich gefühlt täglich neu anpassen. Es zeigt mir, dass ich eine gute Fähigkeit dafür entwickelt habe, und dieses Wort mein ganzes Jahr hindurch stark dominiert hat.
Welches ist also dein Wort?

Teil 1: Drei Fragen zum Jahresrückblick

Was ist gut gelaufen?
Finde fünf Dinge, die in diesem Jahr gut gegangen sind, dich glücklich gemacht haben, dich erfüllten, worauf du stolz bist, die wertvoll waren, hilfreich und wofür du dankbar bist.

Bei der ersten Frage verspürte ich damals extremes Unbehagen. Meine Schwester war doch gestorben, kann dann etwas gut gewesen sein in diesem Jahr? Ohja, das konnte es. Und ich habe sogar einiges gefunden. Die zwei „besten“ Dinge waren:
Meine Familie und ich haben die ersten drei Monate ohne Larissa überlebt – und ich dachte an sehr vielen Tagen, ich (oder die anderen) müsste(n) sterben.
Zeit mit Larissa: Wie unfassbar wertvoll die Zeit mir plötzlich erschien. 2013 hatte ich das Glück besonders viel Zeit mit ihr verbracht zu haben. Es machte mich gleichzeitig sehr traurig, weil ich wusste, diese Zeit war nun zu Ende, und doch verspürte ich ein Flackern an Dankbarkeit in mir und das tat gut.

Was war schmerzvoll?
Nenne fünf Dinge, die dich herausgefordert haben, schmerzlich waren, dich traurig gemacht haben, du enttäuscht warst, dich hilflos und ratlos gemacht haben.

Die zweite Frage war leicht zu beantworten und wichtig. Dadurch erkannte ich noch deutlicher meine Bedürfnisse, meine Sehnsüchte, meine Wünsche, meine Grenzen. Sie half mir vieles genau zu erkennen.

Deine Gefühle?
Welche Gefühle waren besonders schwer auszuhalten und damit umzugehen, welche Gefühle waren einfach auszuhalten. Was war dein Hauptgefühl des Jahres? Was war es am Anfang, was heute?

Die dritte Frage brachte mich näher an meine Gefühlswelt heran. Ich wusste plötzlich, welches Gefühl für mich sehr schwer war zu verstehen und damit umzugehen, und welches wirklich kraftschöpfend war. Außerdem verstand ich erstmals, dass alle Gefühle erlaubt waren und alle mir nur helfen wollten, diesen schweren Verlust zu überleben.

Teil 2: Drei Fragen zum Jahresrückblick

Deine Ressourcen?
Welche fünf Dinge unterstützen dich in deiner Trauer besonders gut? Welche möchtest du davon ins neue Jahr mitnehmen und vertiefen?

Kenne deine Ressourcen! Für mich ist die wichtigste Komponente die Bewegung. Ohne sie und meinen SeelenSport würde nichts so gut laufen, wie es läuft. Sie ist meine absolute Kraftquelle! Was ist deine?

Vermeiden und Abgrenzen
Von welchen Dingen möchtest du dich verabschieden und abgrenzen, weil sie dich in deinem Trauerprozess behindert haben? Welche Dinge möchtest du zukünftig vermeiden?

Was hat mir nicht gut getan und möchte ich mehr vermeiden? Ich tue mich oft noch schwer, spannende Projekte abzusagen, weil ich gerne mehr machen wollen würde. Aber meine Kraft ist nur begrenzt und um trauernde Menschen gut zu begleiten muss ich mich auf wenige Projekte konzentrieren. Also mehr abgrenzen und nein sagen, auch wenn es schwer fällt und ich oft so viel mehr für euch tun wollen würde.

Dein Körper?
Was möchtest du für deinen trauernden Körper weiter tun, um ihn zu stärken? Was hat dir gut getan und möchtest du weiter verfolgen? Welche Baustellen im Körper möchtest du angehen, weil sie dich belastet haben?

Damals 2013 war ich eine körperliche Großbaustelle aufgrund des Traumas und ich hatte mir geschworen, dass ich beginnen werde meinem Körper mehr Beachtung zu schenken. Der Anfang war scheiss hart, aber hatte am Ende grandios geklappt: ich begann zu trainieren und meine Ernährung komplett umzustellen.

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Nimm dir also für diese Fragen ein wenig Zeit, um zu reflektieren und hinzuschauen, wo deine Bedürfnisse liegen und was deine Trauer im neuen Jahr noch mehr oder weniger braucht.

Ich wünsche dir gutes Gelingen und Hinspüren und natürlich auch einen guten Rutsch ins neue Jahr. Rutsch genauso wie du magst und lass dich zu nichts zwingen!