Trauer ist ein Tabu und wird meist als Privatsache abgehandelt. Doch jeder Privatmensch steht in seiner Arbeit auch in einer öffentlichen Funktion. Seien es Verkäufer*innen im Supermarkt, Versicherungsmenschen, Beamt*innen, Lehrer*innen und sonstige Berufssparten. Was aber tun und wie sich verhalten, wenn es einen Todesfall in der Firma gibt, Angestellte plötzlich zu Angehörigen in einem Trauerfall werden? Wie kann Trauer auf dem Arbeitsplatz ihren Raum finden? Lass es uns herausfinden!*

Meine persönliche Erfahrung am Arbeitsplatz

Als meine Schwester Larissa von ihrem Freund ermordet wurde, war ich Studentin und arbeitslos. Ich musste also einen neuen Nebenjob finden, um über die Runden zu kommen. Ein Vorstellungsgespräch führen? Wie sollte das gehen, wenn ich doch fast ausschließlich am Weinen war. Sollte ich meine Schwester erwähnen oder lieber verheimlichen? Fragen über Fragen beschäftigten mich und es gab keine zufriedenstellende Antwort.

Also wurstelte ich mich selbst durch und handelte nach meiner Intuition. Mein erster Job, den ich antrat, war ein Hilfsjob als Kellnerin für verschiedene Events. Beim ersten Gespräch beschloss ich nichts von meiner Schwester zu erzählen, heulte mich davor noch ordentlich aus und fasste dann meinen ganzen Mut, um hinzugehen. Um die Schwellung an meinen Augen zu mindern, legte ich kalte Gurkenscheiben drauf (Geheimtipp: ein Löffel hilft auch gut). Niemand bemerkte etwas. Der erste Arbeitsabend fand bei einem Krimidinner statt…

Ja du liest richtig! Ich erfuhr davon erst vor Ort und konnte meinen Ohren kaum glauben. Wie diese Nacht dann genau abgelaufen ist, kannst du in meinem Buch Larissas Vermächtnis nachlesen. Sagen wir mal so: Ich überlebte sie.

Ehrlich sagen oder verschweigen?

Jahre später lebte ich in Wien und wollte bei einer Versicherung anfangen, um Geld für meine Sportausbildungen zu sparen. Noch immer hielt ich an der Strategie fest, nichts von Larissa oder dem Mord zu erzählen, aus Angst, den Job nicht zu bekommen. Denn sind wir uns ehrlich: Die meisten Menschen schrecken davor zurück, sind überfordert und wissen nicht, wie sie damit umgehen sollen – besonders im beruflichen Verhältnis.

Ich bekam den Job. Irgendwann konnte ich es nicht mehr verheimlichen. Die Menschen fragten nach meinem Leben in Tirol, nach meiner Familie, nach meiner Vergangenheit. Larissa war nun mal Teil von mir und ich hatte keine Kraft mehr sie zu leugnen. Also erzählte ich davon. Die meisten reagierten mitfühlend, manche bohrten nach und wollten über den Mörder sprechen, andere gingen mir aus dem Weg. Aber innerlich fühlte ich mich freier und erleichtert. Und das war wichtig für mich und meinen Prozess.

Du musst für dich selbst entscheiden, wie viel du Preis geben magst und was nicht. Es kommt immer auch auf dein Verhältnis zu den Kolleg*innen an. Spüre hier in dich hinein und finde deinen für dich stimmigen Weg. Es gibt kein richtig und kein falsch hier. Du bist der Boss deiner Trauer!

Ein Trauerfall bei Mitarbeitern – Was tun?

Wie können andere Kolleg*innen darauf reagieren, wenn ein Familienmitglied eines*r Kolleg*in verstirbt? Auf keinen Fall schweigen! Gehe auf den betroffenen Menschen zu. Sprich an und drück deine persönliche Anteilnahme aus. Bleibe ehrlich und authentisch und verabschiede dich von üblichen Floskeln. Petra Sutor erzählt in ihrem Buch Trauer am Arbeitsplatz mit einem Beispiel, wie eine solche ehrliche Geste ausschauen kann:

Ein Witwer erzählte mir, dass ein Kollege auf ihn zukam und sagte: „Ich bin gar nicht gut darin, die richtigen Worte zu finden, und wahrscheinlich auch nicht gut im Trösten, aber wenn du mal einen brauchst, der mit dir einen trinken geht, dann bin ich der Richtige!“

Petra Sutor, Trauer am Arbeitsplatz

Wenn ein*e Mitarbeiter*in selbst stirbt…

Hier gibt es mehrere Möglichkeiten im Umgang mit den Angestellten. Manchmal veranstalten Familien nur in kleinem Kreis eine Verabschiedung. Dann kann ein Unternehmen selbst eine kleine Gedenkfeier intern im Kreise der Mitarbeiter*innen organisieren. Wer sich da nicht alleine heranwagen möchte, kann Menschen wie Petra Sutor kontaktieren. Sie begleiten und beraten in solchen Fällen, um eine möglichst schöne und würdevolle Feier zustande kommen zu lassen.

Petra begleitet Unternehmen durch Krisen! Foto: Ulrike Glesius

Was passiert mit dem Arbeitsplatz?

Gerade im Büro bleibt immer ein sichtbar leerer Platz zurück. Hier ist wichtig sensibel und gut damit umzugehen. Durch jahrelanges Zusammenarbeiten entstehen tiefe Freundschaften, die stark Trauernde auf dem Arbeitsplatz zurücklassen können. Der Arbeitsplatz kann als eine Art Abschiedsplatz genützt werden. Ein Kondolenzbuch, Bilder, Blumen, Karten, Kerzen können dort ihren Platz finden. Geräumt werden kann dieser dann, wenn eine Beerdigung stattgefunden hat.

Der Austausch und das Einbeziehen der Mitarbeiter*innen ist hier ebenso wichtig. Außerdem sollte es achtsam und rücksichtsvoll gemacht werden, und genauso an die Familie gedacht werden. Für Außenstehende belanglose Dinge können für die Angehörigen einen besonderen Wert ausmachen.

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Trauer am Arbeitsplatz ist ein sehr komplexes Thema, das mitunter ganz viele Dinge berücksichtigen muss. An der Stelle kann ich nur nochmal das Buch von Petra Sutor erwähnen und ans Herz legen. Ausführlich geht sie auf verschiedenste Situationen ein und gibt Beispiele und Hilfestellungen!

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Wie sind deine Erfahrungen damit? Teile sie gerne in den Kommentaren!

*Der Artikel enthält unbezahlte Werbung und Affiliate Links.