Jemand im Freundes- oder Familienkreis trauert, weil er/sie einen geliebten Menschen verloren hat oder den Job, eine Trennung erlebte oder vielleicht eine Diagnose erhalten hat. Dann stellen sich fast alle Menschen, die mit Trauernden in Kontakt kommen dieselbe Frage: Was soll ich denn nun bloß sagen? Wie soll ich beginnen? Wie kann ich meine*n Freund*in trösten? Da ich dazu enorm viele Mails und Nachfragen bekommen habe, versuche ich in diesem Artikel ein bisschen aufzuklären.

Trost spenden und trösten

Was bedeutet es aber zu trösten? Aus historischer und etymologischer Sicht bedeutet es so viel wie seelischen Halt geben, Zuversicht und Ermutigung schenken. Trost wird dann eingesetzt, wenn jemand trauert und weint. Wenn wir als nicht-trauernde Person auf einen trauernden Menschen stoßen, kann das viel in uns selbst auslösen. Angst, keine passenden Worte zu finden, Erinnerungen an eigene Verluste und die Endlichkeit, Traurigkeit, die durch Mitfühlen entsteht und auch bei uns selbst ausgelöst wird. Wenn wir Menschen weinen sehen ist das ansteckend und wir müssen mitweinen, genauso ist es auch beim Lachen. Nur ist Traurigkeit schwerer auszuhalten und wir wollen am liebsten weglaufen.

Viele tun das dann auch. Sie wechseln die Straße, drehen den Kopf weg, melden sich nicht zurück, schauen nicht mehr bei einem zuhause vorbei. Für den trauernden Menschen selbst ist das dann natürlich noch trauriger und man fühlt sich oft wie eine Aussätzige.

Heute verstehen viele unter Trost, schnell die Traurigkeit wegmachen zu müssen, aufzubauen und gut zuzureden. Sätze, die sich als Floskeln festgesetzt haben. Das ist aber kein Trost. Das tut nur weh und macht es leider noch schlimmer. Denn ganz ehrlich: Es gibt keine Sätze, die den Schmerz wegnehmen können, erleichtern oder mindern. Der Schmerz bleibt, egal was du sagst.

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Es geht bei den tröstenden Worten, Taten und Gesten vielmehr darum eine Erlaubnis für den Schmerz zu schenken, statt ihn ausreden oder schönreden zu wollen. Du als Freund*in hast dann die Aufgabe diesen Schmerz mit dem trauernden Menschen auszuhalten. Du kannst das nicht? Dann gibt es auch hierfür Worte. Dazu dann weiter unten.

Deshalb fasse dir ein Herz als außenstehende Person, lass dich darauf ein (wenn du kannst) und du wirst am Ende reicher beschenkt herauskommen, denn solche Begegnungen bringen einen immer näher an sich selbst. Ja, es macht Angst, aber es ist auch eine besondere Chance, das Leben neu zu betrachten und eine Tiefe zu gewinnen.

Wo fängt Trösten an? Was soll ich sagen?

Der Moment ist da, du triffst gleich deine Freundin, die dann wahrscheinlich weinen wird. Wie fängst du dann aber an zu reden? Was genau passt denn dann?

Ganz einfach. Genau das!
Es klingt simpel, aber so ist es eigentlich auch. Wir denken stundenlang darüber nach, wie wir Sätze formulieren sollten und was wir alles sagen müssen, anstatt einfach ehrlich und authentisch zu bleiben. Stelle dir die Szene vor, wie deine Freundin gerade vor dir steht und weint:

Es ist schlimm und es tut mir so leid. Ich habe die ganze Zeit nachgedacht, was ich dir nur sagen könnte, doch ich weiß, dass es keine Worte gibt, die dir den Schmerz nehmen können. Ich bin noch nie in einer solchen Situation gewesen und auch überfordert, aber ich werde diese Phase mit dir zusammen aushalten und durchstehen. Ich bin da für dich und höre dir zu!

Es braucht dann keine Lösungen, Ratschläge und mehr an Worten, außer du bekommst direkte Fragen gestellt, dann beantworte sie genauso ehrlich, ohne diese zu bewerten. Danach braucht es ein gemeinsames Aushalten und ein Zuhören von dir! Lege dafür auch die Hand auf die Schulter, umarme fest, halte die Hand und den Augenkontakt, je nachdem wie gut ihr befreundet seid natürlich.

In meinem Bestseller „Larissas Vermächtnis“ erzähle ich dir basierend auf meinem Schicksal, was Trauernden hilft und was gar nicht geholfen hat!

Trösten bedeutet: Zuhören und Nachfragen

Dann kannst du fragen, was genau passiert ist. Dennoch darauf achten nicht nachzubohren, sondern Interesse zeigen und erzählen lassen. Als Trauernde ist es wichtig für den Prozess Erinnerungen und Gefühle teilen zu dürfen. Auch wenn du sie als Freund*in irgendwann schon hunderte Mal gehört hast, lass erzählen und höre einfach zu. Denn es gibt keine neuen Erinnerungen mehr zu teilen.

Wenn du die Person nur flüchtig kennst:

Dann fällst du ihr wahrscheinlich nicht gleich um den Hals, denn dafür fehlt es an Vertrautheit. Bleibe auch hier ehrlich und authentisch. Ein paar Beispielworte:

Ich habe gehört, was passiert ist. Es tut mir von ganzem Herzen leid. Mir fehlen die Worte und ich weiß gar nicht wirklich was ich sagen soll grad. Brauchst du vielleicht bei … (hier kannst du deine Expertise/Hilfsmöglichkeiten* einsetzen) Hilfe, die ich dir hier direkt anbieten kann?

*mir haben viele Menschen Mitfahrgelegenheiten angeboten, Arbeitsplätze (ich war arbeitslos), Hilfe bei der Universität, beim Einkaufen, beim Umziehen, im Haushalt…

Wichtig ist, dieses Angebot dann auch wirklich umzusetzen! Das kann alles Mögliche sein, was du halt einfach von dir aus leisten kannst. Wenn du damit aber überfordert bist und auch Gefühle und Traurigkeit nicht gut aushalten kannst, weil du selbst vielleicht psychisch irgendwie betroffen bist, dann sage auch das ehrlich:

Es tut mir so leid, aber ich bin mit dieser Situation aufgrund meiner eigenen labilen Psyche derzeit nicht in der Lage dir was abzunehmen, dir zu helfen oder zuzuhören. Ich kann einfach grad nicht, so leid es mir auch tut. Aber falls du wirklich gar niemanden sonst hast, kann ich dir immer die Telefonseelsorge empfehlen oder eine Therapeutin. Das hat auch mir geholfen!

Oder du nennst eine Webseite, (m)ein Buch etc., das du empfehlen kannst. Wenn du gar nicht fähig bist darüber zu sprechen, dann schreibe einen Brief. Vielleicht fällt es dir so auch leichter ehrlich und authentisch zu sein.

Echtes Trösten bedeutet den Schmerz gemeinsam auszuhalten und das Untröstliche einfach so stehen zu lassen!

Taten sagen mehr als Worte

Noch viel wichtiger als deine Worte sind deine Gesten und Taten. Auf den Menschen zugehen, ihn anschauen und wahrnehmen! Ihn trotzdem als Mensch behandeln, nicht so, als sei er komplett verrückt geworden. Einfach mal an der Türe klopfen und ehrlich sagen, dass du eigentlich gar nicht weißt, was du grad sagen sollst, aber einen Kuchen oder eine Suppe dabei hast – das hilft am meisten!

Fassen wir zusammen:

  • Ehrlichkeit
  • Dasein, wenn es für dich selbst möglich ist
  • Zuhören und nicht bewerten
  • Nachfragen, was gebraucht wird
  • Berühren (wenn es die Beziehung zulässt)
  • Erinnerungen teilen
  • Vorbeikommen und Essen/Getränke mitnehmen
  • Wenn das Gespräch nicht möglich ist: Einen Brief schreiben

Achtung: Nicht jeder Mensch braucht dasselbe. Das hier ist kein „allgemeingültiges Allheilmittel“. Es soll dir helfen zu verstehen und dich daran orientieren zu können. Du kennst deine Freunde am besten! Frag also nach und sei ehrlich, mit dir und dem trauernden Menschen!


Was fällt dir noch ein, das dir selbst vielleicht Trost geschenkt hat und dich trösten konnte? Ergänze es in den Kommentaren!