Gastbeitrag auf SeelenSport von Vera Fechtig

Gastbeitrag von Vera Fechtig

Mich den eigenen Gefühlen zu stellen und mich wieder bewusst zu spüren, statt mit Verhaltensmustern davon abzulenken ist sehr herausfordernd. Verhaltensweisen, die entstanden sind, um genau über diese Gefühle nicht nachdenken zu müssen! Kennst du das auch? Sich jemand anderem gegenüber zu öffnen und darüber zu sprechen, ist ein weiterer Schritt. Jedoch einen Gastartikel zu schreiben und damit gefühlt der ganzen Welt einen Einblick in die eigenen „Untiefen“ zu erlauben, das macht mir Angst. Und sorgt dafür, dass die ersten Tränen laufen. Hier kommt meine Geschichte. Trigger-Warnung: Essstörung

Während mein Mann mit unseren Zwillingen unterwegs ist, sitze ich nun allein hier am Schreibtisch im Urlaubshotel, habe „Moon River“ von Richard Clayderman auf Dauerschleife eingestellt und nehme dich mit auf (m)eine Gefühlsreise. Weil ich weiß, dass es einerseits mir gut tut, und andererseits möglicherweise auch dir. Ich möchte dir zeigen: Du bist nicht allein mit diesem Thema!

Ich (fr)esse, um mich (wieder) zu spüren

Ich esse in bestimmten Situationen so viel über mein Sättigungsgefühl drüber, dass ich mich in dem Moment wirklich selbst spüre, weil mein Bauch so voll ist. Zwar übergebe ich mich danach nicht – gesund ist es jedoch trotzdem definitiv auch nicht. Das entsprechende Ergebnis ist dann an meinem Körper und auf der Waage zu sehen.

Vera Fechtig

Diese Worte findest du in meinem Buch „10 Wochen zu früh“, welches ich im September 2021 veröffentlicht habe. Es erzählt davon, das eigene Leben so zu gestalten, wie es für einen richtig ist. Das Buch trägt diesen Titel, weil unsere Zwillinge im Februar 2016 mit einem Kaiserschnitt zehn Wochen zu früh auf die Welt geholt werden mussten. Ein wortwörtlich einschneidendes Erlebnis.

Bereits der Monat davor, als ich plötzlich von einer Stunde auf die andere ins Krankenhaus geschickt wurde, war – obwohl ich meinen Mann an meiner Seite hatte – emotional extrem herausfordernd. Ganz zu schweigen von den vier Jahren danach, als die Jungs immer wieder operiert werden mussten. In der Zeit habe ich mich hintenangestellt und mehr oder weniger einfach nur noch funktioniert.

Und dann kam auch noch Corona…

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Meine Herausforderung ist, dass ich andere viel schneller spüre als mich selbst – bei mir dauert es eine gefühlte Ewigkeit. Dann kommt es irgendwann zu emotionalen Explosionen. Das Zu-viel-Essen ist dabei nur ein Zwischenschritt, der diese emotionalen Explosionen etwas hinauszögert.

Dieses Essverhalten begleitet mich schon länger in meinem Leben. Doch während der Schwangerschaft und danach ist es extremer geworden. Auch wenn in meinem Buch aktuell nur ein Absatz innerhalb eines Kapitels über dieses Thema zu finden ist, habe ich mich beim Schreiben meines Buches das erste Mal bewusster damit beschäftigt. Zwar habe ich mir Anfang 2021 auch schon eine erste Unterstützung durch Ernährungsberatung geholt, doch raus aus dieser Verhaltensweise bin ich definitiv noch nicht.

Obwohl es besser wäre, fällt es mir unendlich schwer mir weitere professionelle Hilfe zu holen. Gerade auch weil ich eine „Therapeuten-Tochter“ bin, wie ich es meist flapsig formuliere. Meine Eltern kommen beide aus dem therapeutischen Bereich.

Bereits als Kind habe ich gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen und mich darauf zu fokussieren, was andere brauchen. Jedoch nicht, mich anderen gegenüber zu öffnen und darüber zu reden, wie es mir gerade geht – denn darüber haben meine Eltern praktisch nie gesprochen.

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Ich bewege mich, um mich (wieder) zu spüren

Inzwischen weiß ich, wie gut mir Bewegung in den verschiedensten Formen tut. Wenn ich meinen Körper spüre, komme ich weg von den vielen Gedanken, die durch meinen Kopf rasen.

Sport hilft mir gleich doppelt: Einerseits während ich trainiere, als auch danach, wenn ich beispielsweise einen (leichten) Muskelkater habe. Hier muss ich jedoch aufpassen, dass ich es nicht übertreibe. Sonst falle ich statt dem Zu-viel-Essen in ein anderes, ablenkendes Verhaltensmuster falle.

Als Ehefrau, Zwillingsmama, selbstständige Grafikdesignerin und Autorin fällt es mir gar nicht so leicht, mir Zeit für mich selbst zu nehmen. Wenn ich ehrlich mit mir selbst bin, weiß ich ganz genau, dass das in erster Linie Ausreden sind, die ich mir selbst erzähle.

Zwei Bewegungsarten haben mir besonders geholfen, mich im Guten wieder zu spüren (vielleicht helfen sie auch dir):

Schwimmen

Egal ob es Brustschwimmen oder Kraulen ist, im abgegrenzten Schwimmbecken oder im offenen Wasser: Das kühle Nass kann sehr wohltuend sein.

Mir persönlich hilft es, wenn ich mich ganz bewusst auf Atmung und Technik fokussiere. Beim Brustschwimmen achte ich darauf, den Kopf nicht die ganze Zeit in den Nacken zu legen, um Verspannungen in diesem Bereich zu vermeiden.

Beim Kraulen habe ich es mir angewöhnt, fürs Luft holen immer bei einer ungeraden Zahl den Kopf seitlich aus dem Wasser zu heben, somit habe ich keine einseitige Bewegung.

Als Alternative schwimme ich auch gerne auf dem Rücken – entweder mit denselben Bewegungen wie beim Brustschwimmen oder mit der Technik wie beim Kraulen.

Manchmal wechsle ich auch einfach durch – eine Bahn Brustschwimmen, einen Bahn Kraulen, eine Bahn Rückenschwimmen, eine Bahn Brustschwimmen, …

Zudem habe ich mir einen Buddy gesucht, den ich einmal pro Woche zum Schwimmen treffe. So können wir uns gegenseitig motivieren dranzubleiben. Und ganz wichtig: Während der jeweiligen Schwimmeinheit achten wir nur auf uns selbst – erst danach wird wieder geredet.

Barfuß spazieren gehen

Beim Barfuß spazieren gehen bin ich fokussiert aufs Hier und Jetzt und kann mich gleichzeitig erden. Durch meine Fußsohlen nehme ich ganz bewusst den jeweiligen Untergrund wahr. (Vielleicht fällt dir nach mehrmaligem Laufen auf, dass sich derselbe Weg unterschiedlich anfühlt, je nachdem welches Wetter gerade ist.)

Sogar wenn ich nur wenige Minuten Zeit dafür habe, zählt hier keine Ausrede. Denn barfuß spazieren gehen ist total unkompliziert: Ich brauche weder Sportkleidung noch irgendwelche Trainingsgeräte, es braucht keine großen Vorbereitungen und keine weiten Wege. Selbst wenn es regnen sollte, schnappe ich mir einfach einen Schirm und mache mich auf den Weg. Immerhin sind es nur ein paar Minuten. (Oder vielleicht auch mehr, wenn ich währenddessen plötzlich das Bedürfnis danach verspüre.)

Du wohnst mitten in der Stadt und direkt barfuß rausgehen funktioniert für dich nicht, weil du zum Beispiel in Scherben oder sonst irgendwas reintreten würdest? Dann sei kreativ und gestalte dir deinen Barfuß-Weg zuhause! Vermutlich ist dein Bad gefliest und die restlichen Wohnräume haben einen anderen Bodenbelag. Liegt vor deiner Türe eine raue Fußmatte? Hast du ein flauschiges Handtuch? Befindet sich in deinem Schrank eine glatte, kühle Satin-Bettwäsche? Such dir einfach die verschiedensten Untergründe zusammen und laufe ganz bewusst darüber. Vielleicht magst du dabei deine Augen schließen, um noch bewusster wahrzunehmen, was sich unter deinen Füßen abspielt.

Mein Tipp: Nutze JETZT die Gelegenheit, das erste Mal oder endlich wieder einmal barfuß spazieren zu gehen!

Vera Fechtig (Jg. 1983), wohnt in Vorarlberg am Bodensee, ist verheiratet (seit 8.2009), Mama von Zwillings-Jungs (seit 2.2016), Rudelführerin von Sheltie-Rüde Marlow (seit 10.2014) und Dosenöffnerin für Kater Hamish (seit 7.2011) und Glückskatze Juniper (seit 8.2012).

Als selbstständige als Grafikdesignerin (seit 10.2013) gestaltet sie unkonventionelle Marketing-Werkzeuge für Unternehmer*innen, die keine Lust mehr auf Versteckspiele haben.

Mit ihrem Buch „10 Wochen zu früh“ möchte Vera anderen Frauen Mut machen, ihr Leben passend zu den eigenen Wünschen und Bedürfnissen zu gestalten.

Webseite: www.owlet.at

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Buch „10 Wochen zu früh“: www.owlet.at/10-wochen

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