Perfekt unperfekt.

In meinem ersten Blogger-Jahr ist mir immer wieder aufgefallen, wie oft Menschen genau ein Wort mit mir in Zusammenhang bringen, nämlich Authentizität. Ich bin, wie ich bin und so zeige ich mich auch. Aber auch andere Reaktionen habe ich erfahren, vor allem dann, als der SeelenSport „erfolgreich“ wurde und in die Medien gelangte. „Du bist so toll, du bist so erfolgreich, ich hoffe ich kann auch irgendwann so werden wie du.“ Das schmeichelt natürlich, aber das stimmt so einfach nicht. Ich bin kein bisschen besser, als du oder sonst wer und auch ich habe Macken, die ich an mir nicht mag. Deshalb möchte ich dir heute mal meine nicht so tollen Seiten zeigen. Bist du bereit? Eher, bin ich es haha?

Diese Online Welt da draußen. Handy an und mit jedem Bild, Text oder Beitrag fühle ich mich gleich noch ein Stück mehr minderwertig. Nachdem ich das Handy weg gelegt habe, fühle ich mich wie eine kleine Versagerin.

Alle schauen toll aus, alle haben ein glückliches Leben und alle sind super erfolgreich und haben etliche Kunden (wenns um Selbstständigkeit geht, wie in meinem Fall).

Das deprimiert und besonders, wenn du einen geliebten Menschen verloren hast. Dann fühlst du dich noch mehr, als wärst du mit deinem Schicksal ganz alleine. So ging es mir lange und auch heute erwische ich mich immer wieder mal bei diesen Gedanken. Vielleicht geht es dir da manchmal ähnlich?

Mit meinem Blog wollte ich genau diese Menschen abholen und ihnen zeigen, dass nicht immer alles perfekt und toll ist, wie es nach außen hin scheint. Naja, teilweise ist mir das gelungen, aber in manchen Gesprächen habe ich das Gefühl auf ein Podest gestellt zu werden, wo ich gar nicht hingehöre. Denn auch ich bin nicht perfekt und auch in meinem Business läuft nicht alles rund, absolut nicht.

Ich möchte auf gar keinen Fall, dass du dieses Gefühl hast, wenn du meinen Blog liest oder meine Social Media Seiten besuchst, deshalb habe ich beschlossen voll und ganz transparent mit dir zu sein. Damit du sehen kannst, auch ich bin nur ein Mensch, der jeden Tag versucht sein Bestes zu geben und ein schlimmes Schicksal zu überleben.


Auf Instagram nehme ich dich immer mal wieder ein Stück weit in meinen Alltag mit (in der Story), ohne Verschönerung und Fake 🙂 Schau mal vorbei:


#Fakt 1

Ich bin richtig faul.

Nicht, wenn es um den Sport geht, ja da bin ich motiviert. Aber sobald es ums Aufräumen und den Haushalt geht, dann ist mein zweiter Vorname Faultier, wie mein Freund wohl sagen würde. Und wenn ich es mal schaffe die Wäsche zu machen, dann nur mit einem langatmigen Gesumse/Geraunze. Mein armer Freund ja, an ihm bleibt die meiste Arbeit hängen. Aber ich bemühe mich stets, aus Liebe zu ihm. Dennoch, der Haushalt ist wohl nicht meine Natur.

#Fakt 2

Ich bin Instagram-süchtig.

Das gebe ich sehr ungern zu, wo ich doch immer schimpfe, dass das Handy weg gelegt gehört. Und ich hasse diese Sucht an mir. Sie nimmt mir so viel qualitative Zeit im Leben und darüber ärgere ich mich ständig. Ein großer Schwachpunkt also, mit dem ich tagtäglich zu kämpfen habe. Immer wieder schaffe ich mir selbst Regeln, wann ich rein schaue und wann nicht und immer wieder breche ich sie. Ufff. Deshalb baue ich lieber ganze Tage ohne Handy ein, sodass ich gar keine Möglichkeit habe, denn anders klappt das leider noch nicht ganz. Kommt dir das vielleicht auch bekannt vor?

#Fakt 3

Ich bin überhaupt nicht belastbar, was Dinge angeht, die ich nicht mag.

Früher konnte ich stundenlang Arbeiten bzw. Beschäftigungen ausführen, auch wenn sie mir gerade nicht besonders Spaß gemacht haben. Seit dem Tod von Larissa kann ich das kaum noch. Alles wird mir schnell zu viel und ich fange weinen an. Mit der Zeit wurde es ein bisschen besser, aber ganz so wie früher wird das wohl nie mehr sein. Etwas Gutes hat es allerdings: Du tust nur noch wirklich die Dinge, die dir gefallen und Spaß machen und beschäftigst dich nicht mehr mit Dingen, die dir unnötig Energie nehmen. Immerhin.

#Fakt 4

Ich habe oft Angst in meiner Arbeit nicht gut genug zu sein und bin daher eine absolute Perfektionistin.

An manchen Tagen bereite ich eine Einheit stundenlang vor, und habe Zweifel, ob das wirklich einem gefallen wird. Und immer wieder gefällt es, trotz meiner Unzufriedenheit. Ich gehe alle Eventualitäten durch und frage mich selbst, ob das wirklich gut ist, was ich da von mir gebe. Meistens ist es für mich nicht gut genug. Aber wann ist es das schon? Als Perfektionistin, die ich schon immer war, hat man es wirklich nicht einfach. Dinge, die ich plane zu veröffentlichen, schiebe ich vor mich her, weil sie noch immer nicht perfekt für mich sind. Jedem anderen sage ich immer, dass er/sie gut genug ist. Dagegen muss ich selbst immer wieder an mir arbeiten von diesem Perfektionismus weg zu kommen. „Katy, du machst das gut so, auch wenn das Ergebnis heute vielleicht keine 100% in deinen Augen sind, sondern nur 80%.“ Das sollte ich mir wohl irgendwo hinhängen 😉 Also nochmal zusammen im Chor: Wir sind gut, wie wir sind und geben ohnehin unser Bestes!

#Fakt 5

An manchen Tagen bin ich tief traurig und möchte am liebsten alles hin schmeißen.

Ach ja diese grauen Tage. Auch ich habe sie noch hin und wieder. Da bebt schon beim Frühstück die Unterlippe und Tränen fließen, wenn ich nur einen Welpen sehe, so sehr berührt und erschöpft mich alles rund herum. Ich habe dann den inneren Wunsch einfach los zu rennen, irgendwohin, wo ich ganz alleine bin, zu schreien und alles raus zu lassen. Leider geht das meistens nicht. Verpflichtungen und Alltag warten und rufen. Ja manchmal drück ich es weg, schluck es runter, auch wenn ich weiß, dass dieses Verhalten für mich und meine Seele nicht förderlich ist. Ein paar Tage später erinnere ich mich dann wieder daran, wie wichtig das ist, sich dafür Zeit zu nehmen. Aber was soll ich sagen, auch ich bin nicht perfekt.

#Fakt 6

Ich bin nicht so erfolgreich, wie es nach außen ausschaut. Erfolg = Geld ?

Mein Unternehmen ist gerade mal ein Jahr alt. Durch die große mediale Aufmerksamkeit und die hohe Bekanntheit glauben viele Menschen, dass ich nun reich bin und chillig den ganzen Tag rum liegen kann. Tja, von Likes und Medienrummel kann man sich leider nichts zum Essen kaufen und auch keine Miete bezahlen. Mein Blog steht kostenlos zur Verfügung und enthält kaum außenstehende Werbung (was ich nicht wollte, weil ich es störend finde) und auch wenn ihn bereits fast 100 000 Menschen gelesen haben, was mich freut, kann ich davon natürlich nicht leben. Menschen nehmen kostenloses Angebot viel lieber an, als, wenn sie dafür bezahlen müssen. So bin ich natürlich auch, wer nicht. Mein bezahltes Angebot ist sehr speziell und nicht für jeden. Das heißt ich habe keine 100 000 Menschen, die ich regelmäßig trainiere. Das würde sich zeitlich ohnehin nicht ausgehen.

Also, nein ich bin nicht reich und muss oft genug noch schauen, wie ich wohl mein Leben bezahlen kann, weil nicht jeder Monat gleich ist. Lasst euch nicht von Medienberichten täuschen, dahinter schaut es nämlich oft ganz anders aus. Aber ich liebe meine Arbeit und stecke immer mein ganzes Herz rein, siehe Fakt 4: Perfektionismus 😉

Menschen implizieren mit Erfolg ohnehin sofort Geld. Wenn wir darüber sprechen, ob ich erfolgreich trauernde Menschen erreiche und ihnen Hoffnung geben kann, tja dann glaube ich bin ich sehr erfolgreich 🙂 . Und das zählt für mich! (Auch wenn ich schauen muss, dass meine Miete bezahlt wird)

#Fakt 7

Und wenn wir schon beim Business sind: Ich gebe zu, ich bin eine schlechte Unternehmerin, besonders im Marketing.

Kennst du all diese Coaching Pakete, die immer wieder mal durch unseren Feed blitzen und uns zeigen, was wir mit ihrem Produkt erreichen können. Mich nerven diese schon bis oben hin. Aber als Unternehmerin bzw. Trainerin bleibt dir eine derartige Werbung kaum erspart. Und dennoch tue ich mich schwer damit und fühle mich bei der Werbung meiner Trainings immer aufdringlich, auch wenn ich weiß, dass ich damit wirklich Menschen berühre und ihnen helfe. Doch leider finden dich Menschen nicht einfach so mal durch Zufall und melden sich bei dir, einfach weil du nett bist. Was das angeht muss ich für mich also noch einen angenehmen Weg finden und bin noch am Üben. Falls du jemand bist, der sich da gut auskennt, sag mir doch Bescheid, ich bin für jeden Tipp dankbar! 😉

Falls du aber auch ohne aufdringliche Werbung an meinen Produkten interessiert bist, dann darfst du dich gerne für den Newsletter anmelden, da werde ich regelmäßig informieren, wann ich wo sein werde und was es so Neues gibt 🙂

Du kannst dich jederzeit auch wieder austragen und deine Daten werden vertraulich behandelt.

#Fakt 8

Ich habe etliche Absagen bereits bekommen oder gar keine Antworten.

Nach außen hin wirkt es immer so, als würden alle ganz einfach zu mir kommen, sich melden und mit mir zusammen arbeiten. Super leicht alles oder. Von wegen. Ich habe viele Vereine angesprochen, geschrieben und sie angefragt und zahlreiche Absagen erhalten. Immer und immer wieder. Und ja ich war darüber oft deprimiert und enttäuscht und dachte, dass das alles doch gar keinen Sinn hat und nicht funktionieren wird. Aber es gab dann auch immer mal wieder Menschen, Vereine oder Interessenten, die sich bei mir gemeldet haben. Darauf konzentriere ich mich und nicht mehr auf Absagen. Lass dich da niemals unterkriegen, auch wenn ich es selbst oft fast getan hätte 😉

#Fakt 9

Ich hatte ganz schlimme Suizidgedanken.

Zu Beginn, wenn ein geliebter Mensch stirbt, dann ist ein völlig normales Gefühl dem Menschen nachfolgen zu wollen, weil diese Sehnsucht so unerträglich ist. Normalerweise wird dieses Gefühl weniger, sobald wir langsam lernen mit dieser Trauer umzugehen und dem Schmerz zu leben. Als ich in Wien lebte, gab es allerdings eine ganz schlimme Phase für mich, in der ich sehr oft an Suizid dachte. Ich war in einem Job gefangen, der mich psychisch derart an meine Grenzen brachte, dass ich jeden Morgen vor der U-bahn stand und daran dachte hinunter zu springen. Jeden Tag. Während der Arbeit gab es Heulkrämpfe am Klo, danach oft Zusammenbrüche. In meinem zweiten Buch habe ich geplant, aus dieser Zeit ausführlich zu erzählen, weil ich glaube, dass das sehr viele Menschen betrifft, doch kaum jemand darüber spricht. Ich bin nicht gesprungen. Wegen meiner anderen beiden Schwestern, die noch leben und wegen des Sports, der mir zeigte, dass das Leben noch viel mehr zu bieten hat. Stattdessen habe ich mit Hilfe einer Therapie den Job aufgegeben, trotz aussichtsloser finanzieller Situation. Und das war die beste Entscheidung. Jede noch so schlimme Situation kann mit guter Hilfe durchgestanden werden. Wenn auch du solche Gedanken manchmal hast: Telefonseelsorge.

#Fakt 10

Ich habe noch immer oft große Angst vor Männern.

Seitdem meine Schwester durch die Hand eines Mannes gestorben ist, quälen mich Ängste gegenüber Männern. Außerdem habe ich selbst noch zusätzlich einige negative Erfahrungen machen müssen, die mich bis heute prägen. Trauer ist etwas, das jeden betrifft, Mann als auch Frau und doch gehen Frauen viel offener damit um und Männer sind eher in sich gekehrt. Der SeelenSport spricht hier 90% Frauen und 10% Männer an. Und das ist mir persönlich sehr Recht. Natürlich sind Männer dennoch eingeladen meinen Blog zu lesen oder Trainings zu vereinbaren. Das ist allein ein Problem, das ich für mich behandeln muss und mein Gegenüber nicht betreffen darf. Besonders dominante und aufdringliche Männer machen mir unangenehme Gefühle und lösen Angst aus. Ihnen gehe ich lieber aus dem Weg und vermeide Gespräche. Auch, wenn sie vielleicht super nett wären. Ich kann das noch nicht gut und muss mich auch hier noch üben. Der Seelensport schenkt mir in diesen Situationen aber immer wieder ein Gefühl von Stärke und Kraft, sodass ich mich notfalls besser wehren kann. Dennoch weiß ich nicht, ob ich diese Angst irgendwann voll und ganz loswerden kann.

#Fakt 11 

Ich bin super geizig, was Essen betrifft und ungeduldig in jeglicher Hinsicht.

Ein fremder Finger an meinem Teller und ich verziehe ordentlich meine Miene und werde zum Drachen! Wenn du also mit mir befreundet sein willst, lass bitte mein Essen in Ruhe 😉

Geduld ist eine Tugend. Hm, nicht für mich. Alleine wenn ich an mein Buch denke, das gemütlich beim Verlag liegt und ich noch immer nicht weiß, wann es offiziell raus kommt, bekomme ich innerlich die Krise. Ich hasse Warten. Gerade in der Trauer braucht es aber sehr viel an Geduld, wie du selbst vielleicht auch weißt. Diese Tugend muss wohl noch erlernt werden von mir. Falls du darin gut bist, lass mich wissen, wie du das hingekriegt hast 😉

#Fakt 12

Ich kann keinen perfekten Handstand.

Handstand Seelensport

Handstandfotos schauen cool aus und ich liebe sie zu posten. Tja ganz ehrlich, ich kann keinen wirklich schönen. Höchstens 3 Sekunden kann ich mich schön halten, das reicht gerade mal für ein Foto. Und das aber nicht immer. Bei 10 Wiederholungen gelingt mir das höchstens einmal. An guten Tagen öfter. Aber der Sinn ist ohnehin ein ganz anderer. Die Welt steht Kopf, wenn ein Mensch stirbt. Das symbolisiert der Handstand für mich. Sollte ich ihn irgendwann können, wird es dazu ein Video geben. Bis dahin hoffen wir weiterhin auf ein paar schöne Fotos 🙂


Jetzt muss ich gestehen fühle ich mich ein wenig nackig, nachdem alle Punkte niedergeschrieben sind und du gerade alle durchgelesen hast. Ein seltsames Gefühl so reinen Tisch zu machen. Wir haben Angst davor, weil es uns verletzlich macht. Besonders trauernde Menschen verstellen sich oft nach außen hin und tun so, als würde es ihnen gut gehen. Nicht alle, aber viele. Auch ich habe das lange getan. Aus Angst, dass die Trauer in Tränen durchbrechen kann und man als krank abgetan wird. Aus Angst, dass böse Worte fallen und wir nicht fliehen können.

Weil doch jeder von uns so perfekt ist und sein Leben genauso oder? Weil nach außen unsere Gesellschaft wirkt, als hätte niemand Probleme und jedem geht es doch ach so gut. Da bleibt einem als Trauernde(r) fast nichts anderes übrig, als sich eine Maske aufzusetzen.

Lasst uns mehr ehrlich und echt sein.

Ich habe die Schnauze schon lange voll davon und mach blank. Vor dir und für dich, vor mir und für mich. Denn das bin halt einfach ich, perfekt unperfekt, so wie ich bin. Und das darfst auch du sein, mit all deinen Macken, mit deinem eigenen Weg, egal ob Trauer oder nicht, du und ich, wir sind gut wie wir sind und müssen nicht perfekt sein und es auch nicht so darstellen oder aussehen lassen. Glaub mir, die anderen sind es auch nicht.


Jetzt bist du an der Reihe. Erzähl mir in den Kommentaren Fakten über dich, die sonst kaum einer weiß. Manchmal tut es einfach gut sie auszusprechen und uns nicht verstecken zu müssen. Lass raus, was raus will 🙂 Oder erzähl mir in den Kommentaren von deinen Erfahrungen mit dieser Fake-Welt, online und offline.