Stille. Plötzlich kein Geräusch, kein Knacksen. Kein Piepsen, keine Stimme. Nichts. Stille. 
So stand ich oft im Zimmer meiner Schwester und hörte … nichts. Und gleichzeitig tönten leise Melodien aus der Vergangenheit in meinem Ohr, die mich an ihre Existenz erinnerten. Stille. Allein das Wort löst einen Krampf in mir aus. Wie kann etwas so schmerzvoll sein? Nichts zu hören. Das Ohr, das nichts aufnimmt. Wie kann das nur so weh tun? Wie können wir uns aber wieder dorthin annähern, um dem Körper Ruhe und Auszeit zu gönnen, die er doch so dringend braucht?

Wenn wir trauern wird die Stille zu etwas Unerträglichem. Ich bin ihr lange aus dem Weg gegangen. Denn in der Stille, hören wir unseren Schmerz und all die Gefühle und Stimmen, die leise in uns sprechen. Unerträglich, als würde es dich zerreissen.

Deshalb habe ich nach Lautem gesucht. Musik, die grölte und all die Stille übertönte. Menschenmengen, die ablenkten und laut waren. Doch auch das wurde irgendwann zu viel, zu laut. Denn mein Gehör wurde sensibel. Es wurde sogar krank. Vor zu laut aufgedrehter Lautstärke, ständiger Ablenkung und Stress. Es begann zu surren, zu piepsen… über Monate. Tinitus, 24 Stunden.

Oft musste ich von außen hören, dass ich mir doch mal Ruhe gönnen solle. Aber sie wussten nicht, dass diese Ruhe das Schlimmste und Unerträglichste für mich war. Ruhe und Stille machten mir Angst!

Irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem ich es wagen sollte. Ich fühlte mich bereit es zu versuchen. Von null auf hundert war es mir jedoch nicht möglich (oder besser gesagt von laut zu komplett still), ich brauchte andere Methoden und begann zu recherchieren, zu lesen, zu lernen.

Ruhige, sanfte Bewegungen

Als ich mit dem Sport begann, dominierten schnelle, wilde, anstrengende Übungen, die meine Wut gut ausdrücken konnten. Aber eher selten machte ich ruhige Bewegungen. In meinen Ausbildungen lernte ich auch Qi Gong. Ruhige, fließende Bewegungsabläufe, die Ruhe und innere Kraft schenkten. Eine Herausforderung für mich, doch ich übte mich darin. Einige der Übungen nahm ich dann heran, wandelte sie ab, verlieh ihnen Geschichten, um bestimmten Gefühlen wie Traurigkeit und Sehnsucht Ausdruck zu verleihen und ein besseres Fließen derer zu ermöglichen.

Vielleicht versuchst du dich an solcherlei Übungen heran. Die Stille ist dann nicht ganz so erdrückend, da man sich auf die Bewegung konzentrieren muss, aber dennoch wird man ein Stück weit ruhiger. In meinem Online Programm findest du zum Beispiel zwei ruhigere Übungen, die sich auf innere Entspannung und gleichzeitig Kräftigung/Stabilisierung konzentrieren. Oder du schaust in Innsbruck bei einem Kurs vorbei.

Progressive Muskelentspannung

Ohne viel Bewegung, aber mit gezielter Anspannung und Entspannung im Wechsel kann dir diese Methode helfen, dich noch näher zur Stille zu bringen. Du bist trotzdem durch die Anleitung einer Person (online oder offline) konzentriert und dem Nichts nicht hilflos ausgeliefert. Beginne im Sitzen mit geöffneten Augen, wenn du Stille und Ruhe nur schwer ertragen kannst. Mit der Zeit kannst du in eine Liegeposition wechseln oder auch die Augen schließen.

Fantasiereisen/Meditationen

Oh wie ich sie liebe. Eine Stimme, die dich an einen Ort trägt, der dich entspannen lässt, dir Kraft gibt und dem Gedankenkreisen eine kleine Auszeit schenkt. Themen gibt es viele. Von Bergwiesen, über Strand, See, Sternenhimmel ist alles zu finden. Den Kanal von BodyMindPower liebe ich und kann ich wirklich nur weiterempfehlen.

Tja und wenn du diese drei Entspannungsmöglichkeiten geschafft hast, kannst du dich langsam an die Stille herantasten. Setze dich in einen Raum, schalte alles aus und versuche es. Erst 1 Minute. Dann 3, dann schon 5. Und jedes mal wieder vielleicht ein Heulkrampf, der Wunsch aus der Stille zu fliehen. Zu schreien. Und sie immer wieder erneut auszuhalten. Wenn dir das schnell zu viel wird, kannst du dich auch gezielt auf deine Atmung konzentrieren.


Was sagen deine Gedanken?

Welche Gefühle kommen, sind wahrzunehmen?

Sind Schmerzen im Körper festzustellen? Wo?


Klingt alles so einfach immer, gell? Ist es nicht, ich weiß. Anfänge sind immer so schwer. Nicht verzweifeln, auch wenn es unmöglich erscheint. Ich habe etwa 3 Jahre gebraucht, um die Stille lange auszuhalten und sogar genießen zu können. Das klingt so lange, aber jeder Tag dorthin war wert zu gehen. Denn heute liebe ich Ruhe und Stille nach einem anstrengenden Tag. Dann sitze ich gemütlich da und höre vielleicht das Zwitschern der Vögel, meine Gedanken, vor denen ich keine Angst mehr habe, sie stattdessen liebevoll begrüße und ihnen zuhöre. 

Wenn wir lernen uns selbst, unsere Gedanken und Gefühle auszuhalten, dann können wir uns viel näher begegnen, uns besser kennenlernen und uns verstehen lernen. Und das wird uns auch im Alltag nützlich sein!


Vielleicht kennst du noch andere Methoden, die dir helfen? Lass sie uns gerne in den Kommentaren wissen!