Wir alle trauern anders und reagieren unterschiedlich intensiv in unseren Gefühlen auf einen Verlust. Wir alle haben einen Körper, sprich einen Bewegungsapparat, der dazu geboren wurde, um sich zu bewegen. Das gilt für alle. Wenn dein Herz dann plötzlich mit einem tragischen Verlust zu kämpfen hat und du von Gefühlen überschwemmt wirst, die dir bis dahin fremd waren, dann schreit dein Körper regelrecht nach Bewegung. Auch wenn du es nicht wahrnimmst und dich am liebsten unter deiner Bettdecke verkriechen möchtest oder den ganzen Tag auf der Couch gammeln willst. Er schreit innerlich, ganz laut.

 

1. Auszeit von der Trauer – Im Hier und Jetzt sein

Du bist permanent damit beschäftigt, an diesen einen schmerzvollen Tag zurück zu denken und lässt ihn immer wieder durch den Kopf gehen. Oder du grübelst über die Zukunft nach, wie du denn ohne das Verlorene diese weiterhin bestreiten sollst. Im Sport hast du keine Zeit dafür. Dabei kommt dies natürlich immer auf die Sportart drauf an. Trainings mit komplexen Bewegungsabläufen und hoher Konzentration eignen sich für eine Auszeit hervorragend. Immer wieder erlebe ich, dass Menschen mit ihrem Schmerz zu mir kommen und sich nach einer Pause sehnen. Unmittelbar nach dem Training frage ich dann immer: Und wie oft hast du in den letzten Minuten darüber nachgedacht oder dir Sorgen gemacht?  Die Antwort ist immer dieselbe: Nicht ein einziges Mal. Versteh mich nicht falsch. Es ist wichtig deine Trauer raus zu lassen und sich intensiv mit ihr auseinanderzusetzen. Manchmal vergessen wir aber nach einem Verlust, dass wir mehr als nur unsere Trauer sind.

DU bist mehr als deine Trauer und hast dir auch einmal eine Auszeit verdient.

Sport bietet hier eine Möglichkeit dich auf den Moment zu konzentrieren und lässt den Schmerz für ein paar Momente beiseite stellen. Danach wird er ohnehin wieder da sein, aber warum nicht mal eine Verschnaufpause einlegen?

 

2. Trauer bedeutet Stress – dieser muss abgebaut werden

Ein Verlust bedeutet enormen Stress. Stirbt jemand ist dein Körper neben den üblichen Trauerreaktionen damit belastet, Begräbnis und anderes Organisatorisches zu erledigen und danach mit dem Kampf den neuen Alltag zu bewältigen. Verlierst du den Job oder verändert sich dein Gesundheitszustand baut sich innerlich Stress auf, mit der neuen Situation klar zu kommen, neue Wege zu suchen und versuchen zu finden. Es bleibt wenig Zeit zum trauern selbst, weil wir vielmehr damit beschäftigt sind, schnellstmöglich eine Lösung zu finden und uns drängen wieder funktionieren zu müssen. Die Folge, noch mehr Stress. Dazu können sich noch Ängste und Panikattacken hinzugesellen.

Dein Körper möchte aus der Situation fliehen, regelrecht losrennen und diesen Überschuss an Stresshormonen loswerden.

Das ist unsere natürliche Reaktion auf die Ausschüttung dieser Hormone. Dir bleibt aber oft im Alltag nichts anderes übrig als die neue Situation auszuhalten und anzunehmen. Um dennoch den geballten Stress abbauen zu können, können Bewegung und Sport helfen. Sie bewirken den Abbau der Stresshormone, geben Kraft und anstelle des Stresses treten Glückshormone, die dir ein Lächeln schenken. Dabei solltest du beachten, dass du nicht übertreibst und in kleinen Schritten beginnst. Gibst du deinem Körper nach einem Verlust nicht ausreichend Bewegung, wird der ganze Organismus auf Dauer belastet und dadurch anfälliger auf Krankheiten. Auch ein Burnout können leider die Folge sein.

 

3. Neue Ziele werden geschaffen

Ich kann mich noch gut an meine ersten Monate erinnern. Einen Tag nach dem anderen zu überleben, mehr wollte ich nicht. Ich hatte keinen Plan, kein Ziel, keine Aussichten. Durch das regelmäßige Training und die zunehmende Verbesserung meines seelischen Zustandes, entwickelte ich neue Ziele für mich. Sportliche Ziele. Für andere Lebensziele war ich noch nicht bereit, aber die sportlichen Ziele schufen mir einen neuen Weg und neue Möglichkeiten.

Überlege was du in den nächsten Monaten gerne schaffen möchtest. Setze dir ein Datum, das du vielleicht sogar mit deinem Verlust verbindest und dich stärkt.

Mein Ziel war, einen Trainingsplan in vier Monaten zu bewältigen, um am Ende bestimmte Übungen erfolgreich zu absolvieren (durch meinen Kreuzbandriss war ich nämlich sehr eingeschränkt geworden). Mein wirkliches Ziel war allerdings die Zeit bis und nach der Verhandlung des Mörders meiner Schwester zu überbrücken und überleben. Durch den Fokus auf das sportliche Ziel habe ich dies geschafft. Was es auch ist, setz dir ein Ziel, das dich durch die schweren Monate begleitet, konzentriere dich darauf. Du schaffst es durch diese harte Zeit und kommst am Ende stärker, kräftiger und glücklicher hervor, als du dir vorstellen kannst.

 

4. Um Trauer auszuhalten brauchst du viel Kraft und Stärke

Trauer wirkt enorm auf deinen Körper ein und belastet das ganze System, vor allem wenn du sie ständig unterdrücken musst. Deshalb brauchst du Kraft und Stärke, körperlich als auch mental, um diesen Gefühlen standhalten zu können. Sport bietet hier eine gute Basis um diese Stärke aufzubauen. Der Muskelaufbau im Körper schenkt auch deinem Geist mehr Kraft und du wirst die Wellen der Trauer besser aushalten können. Du fühlst dich oft schlapp, bist vielleicht häufig krank, entwickelst Unverträglichkeiten, bekommst fahles Haar, deine Haut wirkt blass und entzündet sich schnell, dein Hormonhaushalt gerät durcheinander und lässt deine Menstruation unregelmäßig kommen, ständige Magenbeschwerden bringen dich kaum durch den Alltag, du hast wenig Appetit oder isst aus dem Frust heraus mehr als sonst und nimmst zu.

Die Liste ist lang und ich habe kaum jemanden getroffen, der keine psychosomatischen Beschwerden nach einem schweren Verlust hatte.

Und genau dort setzt die Bewegung an. Sie dient hier dazu, deinem Körper Kraft zu schenken und ihn wieder in ein Gleichgewicht zu bringen. Auch hier sind kleine Schritte zu Beginn notwendig, um den Körper nicht unnötig zu belasten. Mit der richtigen Dosis, kannst du deinen Körper ordentlich für dein Leben mit dem Verlust rüsten.

 

5. Endorphine und ein tolles Körpergefühl

Traurigkeit, Tränen, ein drückendes, depressives Gefühl wird zu deinem ständigen Begleiter nach einem Verlust. Oft kommen noch Schuldgefühle hinzu und du magst dich selbst nicht mehr. Kurz gesagt, alles ist einfach sch……! Umso mehr sehnst du dich mal wieder nach einem glücklichen Lachen, einem Gefühl der Leichtigkeit, des Schwebens. Alkohol, Drogen oder Antidepressiva fragst du dich jetzt? Auch eine Lösung ja, aber keine dauerhafte und ganz sicher keine gesunde.

Sport und Bewegung können ganz ähnliche Glücksgefühle auslösen und dich zum Lächeln bringen.

Nach meinem ersten ausgiebigen Workout habe ich mich für einen Moment das erste Mal seit Monaten wieder befreit, ausgelassen und glücklich gefühlt. Das war jede Anstrengung wert, glaubs mir. Nach ein paar Wochen veränderte sich auch mein Körper zum positiven, nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Ich fühlte mich wohl, hatte mehr Energie und war seltener krank. Ich mochte mich selbst auch wieder und spürte meinen Körper nach der langen Zeit der Ohnmacht endlich wieder voll und ganz.

 

6. Du kannst wieder besser schlafen

Schlaf. Ein Wort, das in den ersten Monaten nach einem Verlust zu einem Fremdwort wird. Die meisten plagen Gedankenkreisen und Angstzustände, Heulkrämpfe und Unruhe, sodass einschlafen oft Stunden dauert. Schaffst du es dann, wirst du mitten in der Nacht von Alpträumen gestört oder Panikattacken wecken dich auf. Erholsam klingt anders. Nur wenige haben das Glück, viel und gut schlafen zu können.

Zahlreiche Studien bestätigen immer wieder, dass Sport für einen besseren Schlaf sorgt. Und wer braucht den nicht dringender als du jetzt?

Trotz Angstzustände und Traurigkeit erlangte ich durch mein Training eine erhöhte Schlafqualität zurück. Hierbei muss aber besonders der Zeitpunkt des Sports berücksichtigt werden. Dieser wäre am besten am Vormittag, was im Alltag leider nicht immer möglich ist. Kurz vor dem zu Bett gehen solltest du auf jeden Fall ein zu intensives Workout vermeiden. Der späte Nachmittag, gleich nach der Arbeit wäre hierfür eine alternative Lösung. Außerdem verbessern vor allem Ausdauer oder Kraftausdauersportarten den Schlaf. Die körperlich angenehme Erschöpfung eines Trainings und der allgemein positive Effekt auf den Körper schaffen es, dich trotz Verlusts in einen erholsamen Schlaf zu wiegen.

 

7. Deine Konzentration kommt wieder zurück

Nachdem meine Schwester starb musste mein Alltag nach einer gewissen Zeit wieder weiter gehen. Für mich bedeutete dies, auf die Uni zu gehen und mein Geschichtestudium zu beenden. Nun saß ich dort, musste eine Bachelorarbeit verfassen und dafür zahlreiche Texte lesen. Texte, in denen jedes zweite Wort vom Tod handelte. Geschichte eben. Am Ende jeder Seite konnte ich den Inhalt derer nicht annähernd wiedergeben. Meine Konzentration war bei null angelangt. Alles woran ich dachte, war meine Schwester und ihr Tod. Kommt dir das bekannt vor?

Geistige Arbeit verlangt viel an Konzentration, allerdings ist dein Kopf so vollgestopft mit der Trauer um deinen Verlust, dass du dich einfach nicht auf das Wesentliche konzentrieren kannst.

Durch Bewegung und Sport kannst du deinem Körper mehr Treibstoff zum Konzentrieren geben. Als ich mit den Trainings begann, habe ich meine Vorgehensweise im Sport auf das Lern- und Leseverhalten projiziert. Ich habe mir versucht vorzustellen, dass jede Seite/jedes Kapitel eine Übung sei und diese nun in Angriff genommen werden muss. Mit dem regelmäßigen Training ging dieses Vorhaben von Mal zu Mal besser. Am Ende konnte ich mein Studium erfolgreich beenden.

 

8. Du kannst deinen Gefühlen freien Lauf lassen und sie nach außen transportieren

Wenn du traurig bist und es dir nicht gut geht, musst du trotz allem oft funktionieren und deine Gefühle unterdrücken. Entweder, weil eben die Arbeit getan werden muss oder weil Menschen Tränen und Traurigkeit im Alltag nicht aushalten und wissen, wie damit umzugehen ist. Durch das Unterdrücken dieser Gefühle, bauen sich erneut andere Gefühle dazu auf und am Ende des Tages oder der Woche stehst du mit einem Rucksack voller Wut, Angst, Einsamkeit und Traurigkeit da.

Manchmal hilft weinen allein nicht aus, um diese geballte Gefühlsmischung raus zu bringen. In diesem Fall kann dir gefühlsorientierte Bewegung und Sport helfen.

Bist du wütend mach Übungen, in denen du schlagen, kicken, schmeissen kannst etc.; bist du einfach nur traurig versuche ruhige Bewegungen zu finden, um den Fluss an Traurigkeit noch besser nach außen zu transportieren. Möchtest du deinen Ärger beiseite schieben und bist voll von Tatendrang, versuche es mit Schiebe- und Drückübungen. Am besten du trainierst für dich im Freien oder daheim, dort kannst du zusätzlich schreien und weinen, lachen und einfach durchdrehen und dich von all den Gefühlen befreien, ohne, dass sich dabei jemand gestört fühlt.

Oder du trainierst mit mir zusammen…


Mein Trainingsprogramm richtet sich genau nach dieser Gefühlslage!

Lass uns gemeinsam trainieren, entweder online oder offline in Innsbruck in Form eines Einzeltrainings oder in meinem Kurs!

Oder ganz intensiv und einen Tag lang in Form eines Workshops!