Oktober ist der Pink Ribbon Monat. Eine Aktion, die bereits 1991 international gestartet wurde und seit 17 Jahren in Österreich besteht. Sie widmet sich der Brustkrebs-Vorsorge und Aufklärung, bietet Aktionen an, bei diesen Spenden gesammelt werden, um in der Krebsforschung voranzukommen und gleichzeitig vielen PatientInnen Unterstützung zu geben. In Österreich erkranken etwa 5500 Frauen (darunter 55 Männer) jährlich an Brustkrebs. In Deutschland sind es 75 000. Eine davon ist eine meiner engsten Freundinnen. Sie lebt und gilt wieder als „gesund“. Was das aber bedeutet, wie sie mit der Diagnose umgegangen ist und wie es ihr heute damit geht, erzählt sie dir in folgendem Artikel. Um Mut zu machen, um aufzuklären, um dich zu erinnern, wie wichtig du, dein Körper und deine Vorsorge sind.

Wenn wir an Brustkrebs denken, glauben wir oft, dass es sicher nicht uns selbst treffen könnte. Das ist ganz natürlich und ein Schutzmechanismus, den wir Menschen haben. Und doch kann es jeden von uns treffen. Daher ist Vorsorge besonders wichtig. Ich kam bereits im Jugendalter mit dem Thema in Berührung, als die beste Freundin meiner Mama, die Diagnose erhielt. Sie starb kurze Zeit später mit nur 38 Jahren. Sie lebte über 4 Stunden entfernt von uns, daher hatte ich immer nur die einzelnen Nachrichten erfahren, kam jedoch nie wirklich in Berührung mit ihr. In meinem Kopf erschien es dadurch ebenfalls sehr weit weg und ich dachte, das würde doch nur die „alten“ Leute treffen. (zu dem Zeitpunkt war ich ja fast noch ein Kind und alle über 30 waren schon alt für mich)

Meine Freundin hat Brustkrebs…

2014. Es war ein Jahr vergangen, nachdem Larissa, meine Schwester, sterben musste. Ich beschloss für November 2014, mir einen Monat Auszeit mit meiner Großkusine auf Sri Lanka zu gönnen. Bevor ich die Reise antrat, stand noch eine Feierlichkeit an. Der Studiumabschluss von Ricarda. Wir hatten uns wenige Jahre davor bei der Arbeit in einer Eisdiele kennengelernt. Nur wenige Worte brauchte es und wir waren ein Herz und eine Seele. Schnell zählte sie zu meinen engsten Freundinnen. Sie war auch da, als Larissa starb. Sie hat mich ausgehalten und mir Mut gemacht. Wir haben im Herbst 2014 ihren Uniabschluss in Psychologie mit ein paar Schlucke Prosecco auf dem Univorplatz gefeiert und uns anschließend verabschiedet. Ich reiste nach Sri Lanka, sie würde eine Zeit lang nach Bali reisen. Dann kam alles anders.

Während ich bereits in Sri Lanka war, texteten wir uns gegenseitig und ich fragte natürlich auch nach ihrem Befinden. Sie erklärte mir, dass sie mir etwas erzählen muss, was aber auf die Zeit nach Sri Lanka verschoben werden könne. Zurück in Innsbruck hatten wir ein Skype „Date“. Sie berichtete mir von ihrer Untersuchung beim Gynäkologen und dem anschließenden Befund: Brustkrebs.

Meine ersten Gedankenfetzen waren: Nein, nicht du. Warum du, warum jetzt? Warum überhaupt? Du bist doch noch so jung! Tod. Stirbst du? Ich kann dich nicht auch noch verlieren. Du musst leben! Das hast du nicht verdient, verdammt! Ich halte das nicht aus.

Wir sprachen noch lange und weinten gemeinsam. Ich fühlte so sehr mit ihr mit, ich wollte ihr so sehr helfen und da sein und doch war ich selbst noch ein vermurkstes Wrack, das noch nicht annähernd den Verlust von Larissa ertragen konnte. Wie sollte ich denn nun Hoffnung geben, da sein, auffangen, wenn ich selbst noch nicht wusste, wie mein eigenes Leben weitergehen sollte?

Ricarda blies den Urlaub auf Bali ab, musste zurück nach Deutschland zu ihrer Familie ziehen und dort die Chemotherapie antreten. Während dieser Zeit waren wir immer wieder auf Skype oder per Whats-App in Kontakt.

Wir sehen uns heute noch regelmäßig, wenn auch nur selten, da sie in Deutschland lebt. Doch wenn wir uns sehen, dann ist es, als wäre nie eine Zeit dazwischen gelegen und wir können einen ganzen Tag lang durchquatschen und lachen. Aber nun lasse ich sie selbst sprechen und ihre Geschichte erzählen…

Liebste Ricarda, du weißt gar nicht, wie glücklich ich jedes Mal wieder bin, dich in den Social Media Kanälen erstrahlen zu sehen, wie du dein Leben lebst und neue Kraft getankt hast. Aber ich weiß auch noch, wie es dir damals erging, als du krank wurdest. Wie war die erste Zeit nach der Diagnose für dich? Welche Gedanken hattest du, wie bist du damit umgegangen?

Ich kann mich noch erinnern, als mir die Diagnose mitgeteilt wurde, dass ich vorerst nicht glauben konnte, dass ich krank war, und dachte, jetzt ist mein Leben vorbei, jetzt sterbe ich. In der ersten Zeit nach der Diagnose habe ich mich dann in einem Schockzustand befunden, und gar nicht so richtig realisiert was nun alles auf mich zukommt und passiert, und dass Brustkrebs gut behandelbar ist. Nach einiger Zeit habe ich versucht mein Leben wieder in die Hand zu nehmen. Ich habe all meine letzte Kraft zusammen genommen und mir immer wieder gesagt: „Das schaffst du, du willst leben“. Somit habe ich auch zwischen den Therapien versucht mich sportlich zu betätigen: schwimmen, spazieren gehen, Klettern und versucht so viel „normalen Alltag“ wie nur möglich aufrecht zu erhalten.

Wie hat deine Familie reagiert?

Da ich mich zu dieser Zeit noch in Innsbruck befand, und ich meiner Mutter am Telefon die Diagnose mitteilte, konnte sie es zunächst nicht fassen und befand sich ebenfalls im Schock. Sie ist noch am selben Tag von Regensburg nach Innsbruck um mir beizustehen. Ich habe mich von meiner Familie unterstützt gefühlt, dennoch war der Schock riesen groß. Der Umgang mit Krebs und mit mir als Erkrankte in meiner Familie war alles andere als leicht. Krebs verändert viel, auch das Familienleben.

Was waren medizinisch die ersten Schritte nach der Diagnose?

Zunächst musste ich mich verschiedensten bildgebenden Verfahren unterziehen, um auszuschließen, dass es noch weitere Tumore im Körper gibt. Das war für mich heftig, zum einen, da ich nun fast täglich bei medizinischen Untersuchungen war, inmitten meist viel älterer Menschen und zum anderen das Bangen um die Ergebnisse und Hoffen darum, dass es keine weiteren Geschwülste im Körper gibt. Danach musste ich mich einer Operation unterziehen. Es wurden 3 Lymphknoten entnommen, und der Port gesetzt, in welchen später die Chemotherapie reinfloß. Ich bin sehr froh darüber, dass ich auch darüber aufgeklärt wurde, dass eine Eizellenentnahme sinnvoll erschien, da es nach Therapie auch hätte sein können, unfruchtbar zu sein. Somit unterzog ich mich auch ca. einen Monat später einer Eizellenstimulation, um dann mit der Neoadjuvanten-therapie beginnen zu können.

Dann hattest du diese Chemotherapie bekommen. Wie hat sich das auf deinen Körper ausgewirkt? Was war für dich am schlimmsten?

Ich erinnere mich daran, dass ich die erste von 16 Chemotherapien einen Tag vor Weihnachten bekam. Meine Schwester hat mich begleitet, da ich ziemliche Angst hatte. Die Ärztin und Schwestern waren sehr nett, ich habe mich einigermaßen wohlgefühlt. Erste Auswirkungen waren, dass ich mich wie betrunken fühlte. Mir war sehr übel, ich hatte Schwindel, es fühlte sich an, als ob mein ganzer Körper in Alarm war. Mein Körper fühlte sich plötzlich so fremd an. Meine Haare gingen aus, ich schnitt sie zunächst selbst ab und fixierte sie mit einem Stirnband, nach der 2 Chemotherapie rasierte ich sie mir dann ab. Nach und nach fielen Wimpern, Augenbrauen aus. Das schlimmste war für mich, dass ich körperlich so abbaute und so erschöpft war, dass mich jede Kleinigkeit, selbst duschen wahnsinnig anstrengte. Zuletzt war es mir nicht mehr möglich eine volle 1 liter Wasserflasche zu heben. Nach der letzten Chemotherapie merkte ich, wie sich mein Körper langsam wieder erholte, und ich freute mich jeden Tag über ein wenig mehr zurückgewonnene Kraft.

Was hat dir in dieser Zeit jedoch Kraft und Hoffnung gegeben, an was konntest du dich festhalten?

Kraft und Hoffnung haben mir vor allem wichtige und liebe Menschen um mich herum gegeben. Ohne sie wäre ich nicht durch diese schwere Zeit gekommen. Dafür bin ich sehr dankbar. Auch mein Lebenswille, der durch die Erkrankung noch größer wurde. In dieser Zeit stärkte sich auch mein Glauben.

Meine jüngste Schwester Mara links, ich und Ricarda 2016. Gemeinsam haben wir unseren Schicksalen entgegen gelacht, aber auch viel geweint!

Du wurdest dann knapp ein Jahr später, wieder „als gesund abgestempelt“, wie wir es selbst einmal in einem Gespräch verwendet hatten. Was hat das mit dir gemacht? Worin siehst du hier eine Problematik?

Ja, das ist immer noch schwierig für mich, selbst heute, 5 Jahre nach der Diagnose. Ich mache die Erfahrung, dass der Krebs immer mitfährt. Auch wenn ich äußerlich wieder gesund aussehe, gibt es dennoch Folgen der Erkrankung, körperlicher und psychischer art. Egal was ich tue, in der ersten Zeit gab es keinen Tag an dem ich nicht an Tod und Krebs und die Behandlung dachte. Ich wusste auch nicht mehr wer ich bin, was mir wichtig ist im Leben, es hat sich so viel verändert, mein Freundeskreis, da sich auch einige abwandten, meine Einstellung zum Leben, meine (weibliche) Identität.  Sich das alles wieder zu erarbeiten war ziemlich anstrengend und dauerte fast 2 Jahre. Mit der Zeit wurden die Gedanken an die Erkrankung dann weniger, allerdings bin ich durch Nachsorgekontrollen oftmals erinnert wie schnell das Leben wieder vorbei sein kann und mit damit verbundenen Ängsten umzugehen ist oftmals nicht leicht.

Was waren deine ersten Schritte, nachdem du wieder „gesund“ warst?

Ich bin dann erst einmal zur Reha, sodass ich körperlich wieder fit wurde. Das half mir sehr, da ich unbedingt ein halbes Jahr nach Indonesien und Australien reisen und mich wiederfinden wollte. Das Surfen hat mir so ein tiefes Gefühl der Verbundenheit zu mir, zur Welt, zur Natur und auch zu einer größeren Kraft gegeben.

Ricarda zurück auf dem Surfboard.

Rückblickend auf dieses Jahr, wie ging die Gesellschaft mit deiner Erkrankung um? Was war gut, was war schlecht? Was würdest du anderen in der Begegnung raten?

Da habe ich sehr unterschiedliche Erfahrungen gesammelt, es gab sehr liebe, unterstützende Menschen, auch Bekannte, die einfach mal nachfragten wie es mir geht. Leider gibt es auch viele Menschen, die Ratschläge erteilen, die nur gut gemeint sind, allerdings wenig helfen. Leider musste ich auch schmerzhaft feststellen, dass sich einige Freunde abwandten. Aber auch wiederum andere hinzukamen, die mit gleicher Erkrankung konfrontiert waren.

Was mir vor allem gut tat war, dass Freunde, die durch meine Diagnose mit eigenen Ängsten konfrontiert waren, mir das mitteilten und wir gemeinsam darüber reden konnten. Was ich auch schön fand, war, dass mir ein paar Freundinnen anboten, dass sie für mich da sind, wenn ich etwas brauche. Und alleine das zu wissen hat mich unheimlich unterstützt und gestärkt.

Vorsorge ist das wichtigste. Was würdest du hier jemandem weitergeben, worauf besonders zu achten ist?

Krebs kennt kein Alter, ich bin bei der Diagnose gerade 28 geworden. D.h. es ist wichtig einmal jährlich Vorsorgeuntersuchungen zu machen und auch selbst monatlich die Brust abzutasten, und sich bei Veränderungen an einen Arzt zu wenden.

Du warst schon immer ein Mensch, der sich gerne bewegt hat. Inwiefern hat dir die Bewegung geholfen und was bedeutet für dich Bewegung und Sport in deinem heutigen Leben?

Der Sport half mir insofern, dass ich dadurch Halt und Selbstbewusstsein erfuhr, und ein Stück normalen Alltag. Durch den Sport konnte ich mich und meinen Körper spüren, auf eine entgegen der Therapie mit damit verbundenen Schmerzen, positive und stärkende Art und Weise.

Auch Ricarda gibt der Sport Halt und Unterstützung mit all den Gefühlen umzugehen. Für sie ist es das Klettern und Wandern.

Auch heute ist der Sport ein wichtiger Bestandteil meines Alltags, da ich dadurch viel Kraft gewinne, das Gefühl habe, ich bin dann mehr bei mir, fühle mich gestärkt, kann meine Emotionen damit ausdrücken, ein Stück weit verarbeiten und sehe dies weiter als Vorbeugung meiner Gesundheit.


lächeln aufstehen

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Ich mag eigentlich nicht besonders gerne solche aussagen, habe aber für mich auch, aus meinem Schicksal etwas Positives mitnehmen können. Gibt es auch für dich etwas an der Stelle, das sich zum Guten entwickelt hat?

Ich glaube, dass ich mein Leben dadurch noch mehr schätze, dass ich das Gefühl habe ich habe eine zweite Chance bekommen und möchte mein Leben so gut gestalten und leben wie es mir nur möglich ist. Und das bedeutet auch, mir immer wieder aufs Neue bewusst zu machen, ob ich gerade der Mensch bin, der ich sein möchte und das Leben lebe, das ich leben möchte, mit Menschen die mir wichtig sind.

Was würdest du einer Frau (Mann) auf den Weg mitgeben wollen, die (der) eine solche Diagnose erhalten hat?

Das ist eine schwierige Frage und sicherlich für jeden Menschen eine individuelle Antwort, ein individueller Weg. Zumindest war es mir auf meinem Weg wichtig, den glauben an mich und meine Kraft nicht zu verlieren. Die  Hoffnung auf ein „danach“ und wieder normales Leben nicht aufzugeben. Und wenn es während der Therapie passiert ist, dass ich hoffnungslos und sogar lebensmüde war, mir die Unterstützung zu holen die ich brauchte, nicht nur von Freunden, Familie, sondern auch Onkologen, Therapeuten.


Was ist deine persönliche Erfahrung mit dem Thema Brustkrebs? Erzähle uns davon in den Kommentaren!