Urlaub und Trauer

Die Urlaubszeit startet nun bald wieder! Endlich wegfahren und woanders sein können! Endlich Urlaub! Nicht für jeden Menschen. Denn mit der Trauer im Gepäck kann ein bevorstehender Urlaub eher verängstigen. Auch im Urlaub selbst passiert es häufig, dass die Trauer intensiver wird. Woran das liegt und wie du damit umgehen kannst, erfährst du hier!

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Mein erster richtiger Urlaub nach Larissas Tod fand etwa ein Jahr später statt. Es ging mit einer Freundin für einen Monat nach Sri Lanka. Also weit weg von daheim und der vertrauten Umgebung. Ich dachte, ich würde abschalten können, viel Spaß haben, das Leben genießen und wie ein neuer Mensch zurückkommen. Doch es kam anders. Jeden einzelnen Tag dort weinte ich, war traurig, fühlte mich oft erschöpft und überfordert. Ich kam zurück als neuer Mensch, der sein ganzes Leben hinterfragte.

Trotzdem war es im Nachhinein und oft auch währenddessen einer der schönsten Urlaube meines Lebens. Denn ich hatte noch nie so intensiv einen Urlaub erlebt wie diesen, mit allen Sinnen und allen Gefühlszuständen. Ich hatte mich noch nie so gut kennengelernt, meine Trauer verstehen gelernt und den Urlaub als Chance für etwas ganz Neues entdeckt. Warum aber war die Trauer plötzlich so intensiv und wie kann ich heute sagen, dass es der schönste Urlaub war?

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Warum die Trauer im Urlaub schlimmer wird

Tagesstruktur fällt weg

Im Urlaub lebst du tagein und tagaus, hast praktisch keine Verpflichtungen und Termine. Das kann beängstigend sein, weil auch dann die Trauer sich mehr ausbreiten kann. Keine Ablenkungen und To-do Listen, die dich beschäftigen. Nur du und deine Gefühle. Die sonstige Struktur, die im Alltag Halt schenkt, bricht plötzlich weg.

Druck, fröhlich sein zu müssen

Alle um dich herum feiern regelrecht in ihrem Urlaub. Party, laute Lacher, Stimmungsmusik, Menschen, die tanzen umringen dich. Doch ausgelassen sein fällt dir schwer, denn die Trauer ist schließlich auch da. Und der Druck, jetzt aber nur fröhlich sein zu müssen steigt. Innerlich verkrampfst du, wodurch sich die Trauer auch körperlich zeigt.

Überfordert durch die neue (fremde) Umgebung

Vielleicht warst du noch nie an diesem Urlaubsort. Dann können die neuen Eindrücke ganz schön überfordernd wirken und zu einer Reizüberflutung führen. Durch die Trauer sind alle unsere Sinne sensibler und empfänglicher. Eine andere Sprache, andere Kulturkreise oder auch Straßen, die du nicht kennst, können dir schnell zu viel werden.

Erinnerungen sind präsenter

Du bist vielleicht an einen Ort gefahren, den du mit deinem Verlust verbindest. Dadurch ploppen die Erinnerungen noch intensiver auf und können heftige Gefühlsreaktionen auslösen. Zudem wird dir bewusst, dass du nie wieder einen Urlaub wie früher verbringen wirst. Es wird immer anders sein oder der Mensch wird immer fehlen. Auch das lässt Trauerwellen höher schlagen.

Was du tun kannst

Anderes Mindset

Mach dir keinen Druck fröhlich zu sein, sondern betrachte es eher von der anderen Seite. Jetzt hast du endlich Gelegenheit die Zeit und den Raum für dich und deinen trauernden Körper zu nützen. Gönn dir also deine Trauer im Urlaub, wann sonst kannst du es im Alltag tun? Nur weil du im Urlaub bist, heißt es nicht, dass sie nicht sein darf. So ticken wir Menschen nicht. Dann ist sie auch gleich nicht mehr so schlimm. Sie ist ohnehin ein Teil von dir, der bleiben wird. Aber mit jeder Gönnung wird sie etwas sanfter zu dir.

Tue nur das, was du willst

Wenn du mit mehreren Leuten im Urlaub bist, spreche vorher mit ihnen, dass es okay sein muss, wenn du etwas mal nicht mitmachen magst und du dich lieber zurückziehst oder was anderes unternimmst stattdessen. Gehe dein Tempo und überfordere dich nicht mit einer Gruppe. Nicht jedes Gebäude muss zwingend gesehen werden. Es ist okay auch mal Nein zu sagen. Ein offenes Gespräch kann da vorher wirklich helfen. Fahre auch nur mit Personen in den Urlaub, die dich und deine Trauer verstehen und nicht verurteilen.

Beides darf sein

Es wird trotz der Trauer nicht nur traurige Momente geben. Viele Erinnerungen werden aufkommen, die dir auch ein Lächeln schenken werden, während eine Träne herunter rollt. Trauer beinhaltet viele Gefühle. Lass sie alle dabei sein im Urlaub, nimm sie an, wie sie daherkommen. Du wirst auch schöne (mehr als du vorher vielleicht vermutest) Momente im Urlaub erleben. Sie werden viel intensiver sein, als jemals zuvor, weil dir ihre Vergänglichkeit bewusst geworden ist.

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Manchmal hat man nicht die „richtigen“ Freunde grad an der Hand. Man sehnt sich dann auch viel mehr nach Menschen, die Ähnliches erlebt haben. Genau dafür habe ich die SeelenSport Erholungswoche entwickelt. Sie bringt Gleichgesinnte zusammen, die meistens Angst vor den Urlauben haben, jemanden verloren haben und sich austauschen möchten, aber die sich auch gerne bewegen. Du darfst voll und ganz mit deiner Trauer sein, kannst dich entspannen inmitten der Berge, erfährst alle Hintergründe rund um Trauer und spannende Methoden, um im Alltag damit umzugehen. Aktuelle Termine findest du immer hier. Ich freue mich dich kennenzulernen!

Ta und warum Sri Lanka dann doch mein schönster Urlaub war. Weil er eben genau das war, wie ich es in allen Punkten beschrieben habe. Niemals hatte ich mich so lebendig gefühlt, wie in diesem Urlaub. Außerdem sind dort die ersten Seiten zu meinem Buch Larissas Vermächtnis entstanden und der Gedanke, vielen Menschen damit Mut machen zu wollen.

Wohin geht dein nächster Urlaub?