Wenn wir das Wort Trauer hören, verbinden wir damit sofort den Tod eines geliebten Menschen oder eines Tieres. Ein Zustand, der uns danach jahrelang begleitet. Doch was genau ist diese Trauer? Und wodurch kann sie noch ausgelöst werden als nur durch den Tod? Eines ist dabei klar, niemand bleibt in seinem Leben vom Zustand der Trauer verschont. Wir alle müssen sterben und wir alle werden im Laufe unseres Lebens mit Verlusten konfrontiert.

Trauer ist regelmäßig die Reaktion auf den Verlust einer geliebten Person […] (Sigmund Freud, 1917)

In der zweiten Folge der Tirol TV Serie erkläre ich, was Trauer ist und beschäftige mich mit der Frage, ob sie uns krank machen kann:

Verlust. Ein Wort, das bereits Sigmund Freud in seiner Trauer und Melancholie als ausschlaggebend für die Trauer hielt.  Einen Menschen, ein Tier, einen Zustand, eine Sache, die wir für immer verlieren. Wir sind gezwungen das Leben neu zu ordnen und definieren. Die Trauer ist eine Art Topf an Gefühlen, die als Reaktion auf den Verlust agieren und womit der Körper diesen verarbeitet.

Trauer ist die normale Reaktion auf einen bedeutenden Verlust – Trauer ist keine Krankheit, keine Katastrophe, keine Fehlfunktion und kein Zeichen von psychischer oder charakterlicher Schwäche, sondern ein normaler, gesunder und psychohygienisch notwendiger Prozess der Verarbeitung von einschneidenden Verlusten und Veränderungen (Prof. Dr. theol. Kerstin Lammer – Trauer verstehen: Formen, Erklärungen, Hilfen)

 

Ein natürlicher Prozess also, die Fähigkeit uns selbst zu heilen. Neben dem Tod kann auch der Verlust deines gesunden Körpers dazu führen Trauer zu empfinden. Das können Krebs, ein schlimmer Unfall oder andere Krankheiten sein, die uns das Leben wie es davor war, nicht mehr ermöglichen. Sogar, wenn du nach langer Krankheit oder Operationen bestmöglich wieder hergestellt wirst, bist du doch nicht mehr dieselbe wie davor. Dies löst Traurigkeit, Wut, Angst und Schmerz in dir aus. Auch wenn du den neuen Zustand irgendwann akzeptierst, betrauerst du dennoch hin und wieder, dass es passierte. Nicht mal du selbst musst davon betroffen sein. Oft reicht schon, wenn ein geliebter Mensch mit einer schweren Krankheit zu kämpfen hat, dass du mit ihm trauerst und mitfühlst. Bei meiner Mutter wurde vor Jahren ein Aderhautmelanom (Tumor am Sehnerv) entdeckt. Wir wussten nicht, ob sie das überleben wird. Auch dies löste unterschiedlichste Trauergefühle in meiner Familie aus. Bis heute hat sie den Kampf gewonnen.

Es muss sich nicht mal zwingend um lebensbedrohliche Krankheiten handeln. Auch „Kleinigkeiten“ können tiefe Trauer auslösen, weil damit eine prägnante Änderung der Lebensumstände einhergeht. Ich selbst habe bereits mit derart Verlusten im Leben zu kämpfen gehabt. Ein Schiunfall brachte einen Kreuzbandriss und anschließende Thrombose mit sich, wodurch ich meinen Job verlor und lange nicht die Bewegung machen konnte, die ich wünschte. Eine Herzmuskelentzündung in Portugal brachte beinahe mein Herz zum Stillstand, wodurch sich bis heute Angst in mir verankerte noch einmal Derartiges zu erleben.

Ein Verlust der ganz besonderen Art zählen die Sternenkinder, Schmetterlingskinder und Engelskinder. Je jünger ein Kind stirbt, desto mehr an Zukunft stirbt mit ihm. Leider wird dieser Verlust oft noch stark tabuisiert und die Trauer darüber findet in der Gesellschaft nur schwer ihren Platz. Ein sehr berührendes und tragisches Problem.

Jeder von uns führte bereits Beziehungen und hat wahrscheinlich auch schon das Ende derer durchlebt. Scheidungen und Trennungen können ebenfalls starke Gefühle von Trauer auslösen. Manche brauchen Jahre, um sich davon zu erholen. Eine sehr schmerzvolle Erfahrung, die unabhängig von der Dauer der Beziehung ist und sich ebenfalls sehr individuell zeigt.

Ein weitaus noch tabuisiertes Thema ist die Sache mit dem Jobverlust durch Kündigung oder weil der Job körperlich nicht mehr ausgeübt werden kann. Auch das kann zu innerlichen Krisen und Trauerzuständen führen, genauso auch ungewollter Umzug oder Geldprobleme und finanzieller Verlust.

Die Reaktionen auf einen Verlust sind dabei stark individuell in Bezug auf Dauer und Intensität und können keinesfalls verallgemeinert werden. Dennoch wird in der Theorie immer wieder von Phasen gesprochen, wobei ich persönlich mehr von Wellen spreche. Diese großen Unterschiede im Umgang mit den Trauergefühlen können zu großen Problemen in der eigenen Familie führen. Viel Verständnis und Rücksicht gegenüber den anderen Familienmitgliedern sind hier notwendig, um eine gute Verarbeitung zu bewirken.

 


Und die Gesellschaft?

Vielleicht wurde dir beim Durchlesen bewusst, wie oft du eigentlich mit Trauer bereits am eigenen Leib konfrontiert wurdest. Nun frag dich mal, ob du diese Verluste denn wirklich betrauert und dir die Zeit gegönnt hast, die du damals vielleicht gebraucht hättest? Oder hast du deine Gefühle dazu unterdrückt und kaum angesprochen, in stillen einsamen Momenten eventuell beweint, diese aber viel zu selten waren?

Die Mehrheit wird sich in der zweiten Frage wiederfinden. Warum das so ist fragst du dich? Vielleicht kommen dir Sätze aus dieser Zeit bekannt vor, wie etwa: „Ach du findest schon wieder wen; Es gibt noch viele andere Jobs da draußen. Immerhin gibt es noch viel schlimmere Krankheiten und jetzt bist du ja wieder gesund.“  Unsere Gesellschaft hält Trauer und Tränen nur schwer aus. Natürlich schmerzt, wenn ein geliebter Mensch leidet oder weint. Besitzen wir genug Empathie löst es auch in uns Traurigkeit und Schmerz aus. Das ist kein angenehmes Gefühl. Stehen wir in nicht so engem Kontakt mit der trauernden Person, sind wir schlichtweg überfordert und fühlen uns hilflos. Wir versuchen den Trauernden aufzumuntern und zu ermutigen, ihm Ratschläge zu geben und hoffen, dass dieser schnell wieder lacht. Das ist auch gut und recht so, oft aber in diesen akuten Situationen nicht fördernd und passend.

Was aber brauchst du in deiner Trauer dann wirklich? Im Grunde ganz simpel: Einfach sein dürfen und mit der Traurigkeit wahrgenommen werden, jemanden an der Seite, der es wortlos aushält und keine Bewertung abgibt. Leichter gesagt, als getan. Ich hatte das große Glück vereinzelt genau solche Freunde zu haben. Wenn auch du solche hast, gratuliere und nütz das Angebot. Wenn du aber leider Bekannte hast, die dich nur beratschlagen wollen, dann gibt es zwei Möglichkeiten für dich. Du suchst dir eine Kontaktstelle für Trauer, die dich in deiner Trauer professionell begleiten oder du schenkst dir selbst reichlich Selbstmitgefühl und Achtsamkeit gegenüber deinem Körper und deiner Seele. Zweiteres bedarf aber sehr viel an Übung und Wertschätzung gegenüber dir selbst und ist in akuter Trauer nicht jedem möglich. Hol dir Hilfe, wenn du merkst, dir wird alles zu viel!

In der heutigen Zeit müssen wir leider ständig funktionieren und der Druck beruflich und privat erfolgreich zu sein, steigt mit jedem Jahr. Trauer findet in dieser schnelllebigen und hektischen Zeit kaum noch Platz. Wohin führt uns das aber? Nicht ohne Grund mehren sich Burnout, Depressionen, seelische Erkrankungen und auch körperliche Probleme wie Fettleibigkeit oder Entzündungen der Organe. Wie oben beschrieben ist Trauer keine Krankheit, aber wenn wir über Jahre immer unsere Trauer unterdrücken müssen, ihr nie den Raum und die Zeit geben können, die sie nun einfach mal braucht, macht sie uns krank. Daher ist es umso wichtiger, dass sich hier etwas ändert. Einerseits in uns selbst, wenn wir Trauer erfahren, andererseits im Umgang in der Gesellschaft.

Solange aber unsere Gesellschaft noch nicht bereit dazu ist, starte bei dir selbst und verarbeite deine Emotionen über Bewegungen und sportlichen Aktivitäten und gib deinem Körper die Nährstoffe, die er nun braucht!


Wie hast du deine Trauer in der Gesellschaft wahrgenommen? Schreib es in die Kommentare!

 

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